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Johanniter Unfallhilfe

Harte Bedingungen beim Üben

03.10.2010 | 17:23 Uhr
Harte Bedingungen beim Üben

Kreis Wesel. Der Mann hat in seinem Leben viel gesehen. 33 Jahre ist Dieter Guderley bei den Johannitern. Auch bei der Loveparade-Katastrophe in Duisburg half der Pressesprecher des Regionalverbandes Niederrhein.

Nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung behält Guderley oft auch in den verworrensten Situationen den Überblick. Und nun steht der 51-Jährige auf dem Gelände der Rettungshundestaffel im Lippedorf und muss sich im Chaos sein eigenes Bild erst einmal zusammensetzen. In der Großübung der niederrheinischen Johanniter-Unfallhilfe verschwammen Fiktion und Wirklichkeit.

Das Planungsteam hat ein schreckliches Szenario entworfen. Über dem Kreis Wesel wütet bereits seit Tagen ein Unwetter, das mit Starkregen und Sturmböen die Rettungskräfte in Atem hält. Eine Windhose hat ein Wohngebiet verwüstet und fast 50 Verletzte zurückgelassen. In diesen Katastrophen-Fall treten nun die 160 Einsatzkräfte aus Wesel, Dinslaken, Krefeld, Neuss, Meerbusch und Mönchengladbach. Dieter Guderley ist einer von ihnen und diesmal in ungewohnter Rolle.

Bislang organisierte er solche Übungen mit, war mehr Regisseur denn Schauspieler. Heute spielt Guderley sich selbst. „Ich weiß nicht, was passieren wird“, sagt er und wirkt ein wenig irritiert. Erstmal muss der Johanniter nach der Gruppe von Kindern schauen, die eingehüllt in goldenen und silbernen Decken auf dem nassen Rasen vor einer Häuserbaracke sitzt. Er benötigt sichere Informationen, denn der Reporter vom Fernsehen wartet schon auf sein Interview. Guderley beantwortet geduldig die bohrenden Fragen, auch wenn er weiß, dass der Kameramann kein echter Journalist ist. Guderley ist jetzt ein Teil der Übung. Dies gilt auch für Sascha Berg. Dessen orangefarbene Weste leuchtet an diesem grauen Tag besonders hell, dabei soll der Rettungsdienst-Assistent eigentlich unsichtbar sein. Berg ist einer der vielen Beobachter, die ihren Kollegen genau auf die Finger schauen. Mit seinem Protokoll steht der Weseler am Rand und notiert, ob der kleine Torben ordnungsgemäß auf der Trage festgeschnallt wird.

Alle Beteiligten wissen, dass sie in einer Simulation stecken. Und scheinen diesen Gedanken doch zu vergessen. „Dies hier sind deutlich andere Bedingungen als in den üblichen Übungen“, findet Sascha Berg. „Der Druck entsteht auch, weil es mehr angeblich Verletzte als Helfer gibt“, pflichtet Dieter Guderley bei. So müssten die Retter immer wieder belastende Entscheidungen treffen und kategorisieren, erklärt der Pressesprecher. In diesem Moment eilen die nächsten Helfer an ihm vorbei. Im Hintergrund hört man einen Frauenschrei.

Erstmals mit
neuen Partnern

Auf dem Regie-Stuhl sitzt Stefan Vollert. Der Dienststellenleiter aus Dinslaken war einer derjenigen, der über ein Jahr die Übung geplant hat. Erstmals ist auch die Rettungshundestaffel Wesel mit dabei und sucht auf ihrem verwinkelten Trainingsgelände nach Verletzten. „Wir wollten sehen, wie andere üben, damit wir besser werden“, erklärt Vollert die Zusammenarbeit. Nicht nur Dieter Guderley hat an diesem Tag eine neue Perspektive kennengelernt.

Niklas Preuten

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2010-10-03 17:23
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