Hamminkelns SPD kürt Romanski als Bürgermeister-Kandidaten

Hamminkelns SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg Adams, Landtagsabgeordneter Norbert Meesters, Dr. Hans-Ulrich Krüger (MdB), Minister Guntram Schneider, Landrat Dr. Ansgar Müller und Stadtverbandsvorsitzender Bruno Lipkowsky (von links) beim Neujahrsempfang in Dingden.
Hamminkelns SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg Adams, Landtagsabgeordneter Norbert Meesters, Dr. Hans-Ulrich Krüger (MdB), Minister Guntram Schneider, Landrat Dr. Ansgar Müller und Stadtverbandsvorsitzender Bruno Lipkowsky (von links) beim Neujahrsempfang in Dingden.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Was wir bereits wissen
Beim Neujahrsempfang stellte sich der Brüner Unternehmer vor. Hauptredner Minister Guntram Schneider sprach aktuelle Probleme an.

Hamminkeln..  Bernd Romanski als frisch gekürter Bürgermeisterkandidat - das war die Top-Nachricht des Neujahrsempfangs der Hamminkelner SPD im Dingdener Saal Hoffmann. Dem Auftritt Guntram Schneiders, NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales, tat das keinen Abbruch.

Dr. Hans-Ulrich Krüger, Bundestagsmitglied und SPD-Unterbezirksvorsitzender, bereitete Schneider den Boden zum Thema Flüchtlinge. Dankbarkeit, in dieses reiche Land geboren worden zu sein, forderte er ein und leitete daraus die Pflicht ab, „davon ein bisschen abzugeben“. Die Würde aller Menschen sei unantastbar, entsprechend seien sie zu behandeln. Zu Pegida und ähnlichen Strömungen sagt e Schneider, in NRW seien „alte und neue Nazis die Initiatoren“. Das Hauptproblem seien die „intellektuellen Drahtzieher“, welche die geistigen Wurzeln des Abendlandes in Frage stellten. „Wir müssen uns der intellektuellen Auseinandersetzung stellen“, forderte er. Wer unsere Verfassung und Rechtsordnung einhalte, dürfe „nach seiner Fasson selig werden“.

Sorgen über Probleme der Beschäftigung

Die Wirtschaft in NRW sei „in relativ guter Verfassung“, so der Minister. Aber ihn plagen Sorgen. Viele Jobs basierten auf Leiharbeit, etliche seien befristet, böten nicht das erforderliche Minimum an sozialer Sicherheit zur Lebensplanung. Die vielen Werkverträge und die Beschäftigung bei Subunternehmern, kritisierte Schneider und die große Zahl an Langzeitarbeitslosen, wozu er die Unterstützung des Bundes einforderte: „Arbeit ist wichtiger als jede schwarze Null“, sagte er. Auch Menschen ohne Ausbildung müssten in Arbeit gebracht werden. Jobs wie die bei Amazon seien wichtig. „Wir wollen keine amerikanischen Verhältnisse“, so Schneider. „Wir wollen, dass jeder von einem Job halbwegs vernünftig leben kann.“

Der Rückgang bei Ausbildungsplätzen in industriellen Kernbereichen bedrohe die Stärken des Industrielandes NRW. Angesichts des großen Niedriglohnsektors sei der Mindestlohn wichtig - ein weiterzuentwickelnder Anfang. Schneider warnte vor einer Akademisierung in der Berufsausbildung, nannte „schnelles Internet in jedem Dorf“ als Ziel der Landesregierung und versprach, sie werde über eine „neue Finanzarchitektur“ alles tun, um den Kommunen zu helfen.

Schlierf: Lust auf Zukunft erhalten

Bürgermeister Holger Schlierf gefiel die zuvor vom Landtagsabgeordneten Norbert Meesters gebrauchte Bezeichnung der Kommune als „Basislager des demokratischen Gemeinwesens“, die Schlierf mit dem Begriff Heimat verband. „Sind wir nicht immer froh, hierhin zurückzukommen?“, fragte er. Hamminkeln habe sich nach Kommunalreform und Stadtwerdung zu einem lebenswerten Ort entwickelt. Stillstand gebe es deshalb nicht, sagte er und beschrieb ein „großes Paket“ mit vielen aktuellen Aufgaben. „Wir müssen die Lust auf Zukunft erhalten“, sagte Schlierf. Ein Haushaltssicherungskonzept würde das beeinträchtigen.

Romanski: Neue Impulse einbringen

„Ich bin überzeugter Hamminkelner. Hamminkeln hat einige Probleme. Ich glaube in der Lage zu sein, gute Impulse einzubringen, die Dinge anzupacken und zu verändern.“ So begründete Bernd Romanski (55) beim Neujahrsempfang seiner Partei seine Bereitschaft, Hamminkelns neuer Bürgermeister zu werden.

Nach dem Abitur am Weseler Konrad-Duden-Gymnasium hat der Brüner eine Ausbildung bei der Hochtief AG und ein BWL-Studium absolviert. Über verschiedene Firmen der Branche kam er zu Hochtief zurück, gelangte bis in Geschäftsführung und Vorstand ihrer Facility Management GmbH bzw. der Hochtief Solutions.

Erfahrungen auch aus dem Ausland

Der in Brünen wohnende Vater dreier erwachsener Kinder hat Anlagen-Projekte unter anderem in China abgewickelt, war sechs Jahre in arabischen Ländern, hat zeitweise im Mossul gewohnt. Organisatorische Erfahrung und Verhandlungsgeschick bringt er ebenso mit wie Kenntnisse in Sachen Personalführung.

Seit 2013 hat er sich mit der Firma BJR Businessconcepts selbstständig gemacht, berät Unternehmen in Sachen Ein- und Verkauf, führt Coaching und Mentoring für Führungskräfte durch. Mitarbeiter hat er nicht, aber mehrere Engagements nebenher - so als Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen.

Romanski sieht bei einer Gewerbesteuer-Erhöhung Unternehmensinvestitionen gefährdet, will eine fundiertere Untersuchung in Sachen Stadtwerke, die auch verschiedene Energien anbieten müssten, und kritisiert den Verzug in Sachen alter Sportplatz. Zwecks Unterstützung hat er mit anderen Parteien geredet. Allein die CDU habe auf ein Gesprächsangebot nicht reagiert. Am 6. März geht es um seine Nominierung durch die Delegierten der Partei.