Hallo, Herr Nachbar!

Bei Jasmin Kuhlmey laufen die Fäden des Hilfenetzwerkes zusammen.
Bei Jasmin Kuhlmey laufen die Fäden des Hilfenetzwerkes zusammen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Bürger helfen Bürgern: Jasmin Kuhlmey ist Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe. Als Fachkraft ist sie im alten Rathaus für die Schermbecker Ansprechpartnerin.

Schermbeck..  Zuhause ist es am Schönsten. Das wird vielen vor allem im Alter bewusst, wenn die Tage in den eigenen vier Wänden gezählt sind. Aber was ist, wenn es im Haushalt alleine nicht mehr funktioniert? Manch einer landet dann viel schneller im Pflegeheim als nötig wäre. Damit das nicht passiert, gibt es in Schermbeck seit 2009 die Nachbarschaftsberatung. Ein Projekt, bei dem Ehrenamtler und Profis Hand in Hand arbeiten, um Schermbeckern in schwierigen Lebenslagen zur Seite zu stehen.

„Manchmal sind es kleine Anzeichen. Da ist der Rasen nicht gemäht oder die Rollläden sind den ganzen Tag runter“, sagt Jasmin Kuhlmey, die als Fachkraft die Nachbarschaftsberatung koordiniert. In solchen Fällen kommen die Ehrenamtler ins Spiel. Ein fester Stamm von 28 speziell geschulten Freiwilligen im Alter von 24 bis 74 Jahren engagiert sich für das Projekt. Sie betreuen einzelne Wohnbezirke, sind vertrauenswürdige Ansprechpartner vor Ort („An den Willi kann man sich wenden“) und halten die Augen auf, ob irgendwer Hilfe braucht.

Möglichst lange im eigenen Heim

Ist dem so, schlagen sie die Brücke zu Jasmin Kuhlmey, bei der die Fäden des Hilfenetzwerks zusammenlaufen. Sie weiß, wie Menschen unterstützt werden können, so lange wie möglich im eigenen Heim zu bleiben. Pflegestufe beantragen, Hausnotruf, Wohnfördergeld, Barrierefreiheit, Patientenverfügung, Mahlzeitendienst, ehrenamtliche Gesellschafter – einige der Schlagwörter, die bei ihrer Beratung eine Rolle spielen.

Auch wenn ältere Menschen im Mittelpunkt stehen, gilt das Projekt für alle, die Hilfe benötigen. Jasmin Kuhlmey nennt ein Beispiel: „Wir haben einen Ehrenamtler, der gut Französisch spricht. Er bietet sich als Dolmetscher an und begleitet Flüchtlinge zum Arzt.“ Das Faltblatt zur Nachbarschaftsberatung listet weitere Punkte auf: Unterstützung bei Behördengängen, Vermittlung zu Beratungsstellen und Informationen zu sozialen Angeboten wie Seniorentreffs.

Und: Ein Taxidienst zum Wochenmarkt. Jeden Donnerstag können sich Menschen, die nicht mehr mobil sind, zwischen 8.30 und 9.30 Uhr von der Firma Degen zum Ortskern bringen lassen. Die Rückfahrt ist zwischen 12 und 12.30 Uhr möglich. Die gesamte Tour kostet vier Euro, Rollatoren und Rollstühle können mitgenommen werden. „Dieses Angebot wird bisher leider sehr wenig angenommen“, wundert sich die Koordinatorin. Sie weist darauf hin, dass der Service ganz unkompliziert auf Vertrauensbasis funktioniert. Wer ihn in Anspruch nehmen möchte, der kann beim Taxiunternehmen Degen anrufen: 02853/36 45.

Ein Beispiel für andere

Während die Ehrenamtler als „Türöffner“ arbeiten, ist Jasmin Kuhlmey als Fachkraft im alten Rathaus für die Schermbecker Ansprechpartnerin. Ein Angebot, das sich mittlerweile sehr etabliert hat. Gestartet ist die Schermbecker Nachbarschaftsberatung als Modellprojekt für den Kreis Wesel. Mittlerweile bieten auch Hamminkeln und Hünxe diesen Service (siehe Artikel rechts oben). Jasmin Kuhlmey: „Wir tauschen uns gegenseitig aus und arbeiten gut zusammen.“