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Händewaschen nie vergessen

07.03.2008 | 20:23 Uhr

GESUNDHEIT. Das Evangelische Krankenhaus macht bei der Aktion "Saubere Hände" mit. Hintergrund: Nach Expertenmeinung sterben bundesweit 17 000 Patienten pro Jahr an vermeidbaren Fehlern.

WESEL. Die "Götter in Weiß" sind auch nur Menschen. Und Menschen machen Fehler. Das wissen die Ärzte und das gesamte Personal im Evangelischen Krankenhaus in Wesel. Und dort wissen sie auch, wenn schon Fehler gemacht werden, sollen sie möglichst minimiert und aus ihnen die optimalen Lehren gezogen werden. Dafür gibt es Instrumente, Regeln, Kontrollmechanismen - und Aktionen. Wie die Kampagne "Saubere Hände", unter anderem vom Aktionsbündnis Patientensicherheit, der Gesellschaft für Qualitätsmanagement, unterstützt vom Bundesgesundheitsministerium.

Denn knapp 160 Jahre nach den Hygienevorschriften von Dr. Ignaz Semmelweis, müsse das Händewaschen und -desinfizieren wieder in Erinnerung gebracht werden. "Das ist etwas in Vergessenheit geraten", weiß Dr. Rüdiger Schmidt, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus. Ein Grund dafür könnten die Behandlungsmöglichkeiten durch Antibiotika sein - aber auch das Benutzen steriler Handschuhe und Kittel, ergänzt sein Kollege Dr. Olaf Hansen: "Sobald ich ein kleines Loch im Handschuh habe, oder sie einfach nur ausziehe, sind die Hände nicht mehr desinfiziert."

Mediziner haben sich zu Fehlern bekannt

Vor dem Hintergrund, dass wegen vermeidbarer Fehler in Deutschland nach Einschätzung von Experten jährlich 17 000 Menschen sterben, sich eine Million Patienten an Krankenhauskeimen infizieren und dass sich hochrangige Mediziner in der vergangenen Woche zu solchen Fehlern bekannt haben, informierte das Evangelische Krankenhaus über die Aktion "Saubere Hände".

Die beiden Chefärzte und Heike Siebers, Hygienefachkraft des Hauses, versicherten, dass allein schon mit der Zertifizierung des Krankenhauses und dem entsprechenden Qualitätsmanagement das Personal regelmäßig geschult werde. "Dabei können wir beispielsweise mit einer Speziallampe auch noch nach der Handdesinfektion Keime sichtbar machen", spricht Heike Siebers einen möglichen Aha-Effekt beim Personal an.

Vermeidbare Fehler, die in jedem Krankenhaus der Welt vorkommen, würden von einigen Häusern bei www.cirs-notfallmedizin.de als "Anonyme Berichterstattung kritischer Zwischenfälle online" ins Netz gestellt. Mit dem Ziel, "Fehler zu vermeiden", sagt Dr. Rüdiger Schmidt, und von fremden, anonymen Fehlern zu lernen und vorausschauend zu reagieren. Und das, ohne Kollegen in die Pfanne zu hauen. Zahllose Berichte würden auch unter anderem an die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung und an einige relevante Studien geschickt. Beides seit Jahren freiwillig.

So werde das Optimum an Sicherheit im Evangelischen Krankenhaus versucht. Und durch den Kontakt zu anderen Instrumenten und Mechanismen sei alles immer noch steigerungsfähig.IGNAZ SEMMELWEISIgnaz Philipp Semmelweis wurde am 1. Juli 1818 in Ofen in Budapest geboren, er starb am 13. August 1865 in Döbling bei Wien. Als Assistenzarzt in der Klinik für Geburtshilfe in Wien erkannte Semmelweis als erster den Zusammenhang der hohen Sterblichkeitsrate unter den Wöchnerinnen und der Arbeit der Ärzte und Medizinstudenten. Die sezierten häufig Leichen bevor sie die Patientinnen behandelten - die Ursache für das Kindbettfieber war gefunden. Semmelweis führte erfolgreich Hygieneregeln ein. Er erhielt den Beinamen "Retter der Mütter".

UWE ZAK

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