Gericht verhandelt brutalen Überfall auf 92 Jahre alten Freier

Was wir bereits wissen
Sein später Hang zum Rotlichtmilieu wurde einem Rentner aus Wesel zum Verhängnis. Die 22-Jährige steht nun vor Gericht, weil sie mit ihrem mitangeklagten Ex-Freund den Mann im Dezember vergangenen Jahres überfallen haben sollen. Das Opfer bat vor Gericht, den Angeklagten noch eine Chance zu geben.

Wesel/Duisburg.. Dass er sich mit über 90 Jahren noch im Rotlichtmilieu unterwegs war, wurde einem Rentner aus Wesel zum Verhängnis. Leichtfertig ließ er am Abend des 13. Dezember 2011 eine ihm durch Hausbesuche bekannte Prostituierte in seine Wohnung und öffnete kurz danach auch dem vermeintlichen Vetter der Frau, der sie angeblich abholen wollte. Das brachte dem Weseler Stunden voller Pein und den Verlust von 6000 Euro ein. Eine 22-jährige Frau aus Marl und ihr 24-jähriger Ex-Freund stehen seit Montag wegen Raubes vor dem Landgericht Duisburg.

Ehefrau, Tochter und Enkelin des heute 92 Jahre alten Weselers sind schon verstorben. Und so suchte der einsame Rentner regelmäßig Gesellschaft in einem Club in Hamminkeln, wo er die Angeklagte kennen lernte. Mehrfach besuchte sie ihn zu Hause, übernachtete auch zwei Mal dort - zum stolzen Preis von 2000 Euro pro Nacht. Er schöpfte keinen Verdacht, als die junge Frau am Tatabend bei ihm aufkreuzte, ein Märchen erzählte und angeblich nur auf ihren Cousin warten wollte.

Mitangeklagter hatte hohe Schulden

Die 22-Jährige ist geständig, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. „Ich war dort, ich habe mitgemacht und den alten Mann gefesselt“, gab sie zu. Die Idee soll der von Schulden geplagte Mitangeklagte gehabt haben, der auch einziger Komplize gewesen sei. „Ich war überhaupt nicht in der Wohnung“, konterte der 24-Jährige. Er beteuert, die Haupttäter nur gefahren und dafür 1500 Euro kassiert zu haben. Die Haupttäter, das sollen die Angeklagte und ihr heranwachsender Bruder gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft sieht das ähnlich und hat den Jungen vor dem Jugendschöffengericht angeklagt.

„Ich habe keine genaue Erinnerung mehr an den Mann“, so der Rentner. Arglos hatte er geöffnet, als es wenige Minuten nach dem Eintreffen der jungen Frau klingelte. „Ich Idiot habe einfach die Tür aufgemacht“, so der 92-Jährige. „Das kann ich mir nicht verzeihen.“

Pflegerin fand den 92-Jährigen am nächsten Morgen

Ohne Vorwarnung sei er von einem Mann niedergeschlagen und gewürgt worden, so der zwar schwerhörige, aber geistig noch frische Zeuge. Dann schleppte man den einer Ohnmacht nahen Rentner ins Schlafzimmer, fesselte ihn an einen Stuhl, durchsuchte die Wohnung. „Zwischendrin haben sie überlegt, ob sie mich nicht töten sollten.“ Eine Pflegerin fand den durch Prellungen und eine Risswunde am Ohr verletzten Senior am nächsten Morgen und alarmierte die Polizei.

Am Schluss seiner Vernehmung überraschte der Rentner das Gericht mit einer Bitte: „Ich bin in christlicher Tradition erzogen. Ich bitte Sie, die Tat vor allem der Jugend der Angeklagten anzulasten und ihr für ihr Leben noch eine Chance zu geben.“

Für das Verfahren sind zwei weitere Verhandlungstage vorgesehen.