Gemeinsam mit ganz viel Herzblut

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Kreis Wesel..  Es war wie ein großes Familientreffen. Wie ein Wiedersehen zwischen dem Onkel aus Voerde und der Tante aus Schermbeck oder den Cousins aus Wesel, Hünxe und Hamminkeln. Unter dem vielen wenig sagenden Begriff „Leader“ menschelte es im gut gefüllten Ratssaal des Hamminkelner Rathauses, kamen Spaß und Begeisterung an neuen Plänen zum Ausdruck und am räumlichen wie auch thematischen Brückenbauen. Das ist das Leitmotto, mit dem sich die genannten Kommunen als gemeinsame Region fürs neue Leader-Projekt bewerben. Er habe mit dem Wort „Leader“ zunächst nichts anfangen können, sagte Theo Lemken von der Schermbecker Stiftung Lühlerheim. Nun sei er Überzeugungstäter. Er hat durch die Mitarbeit an gemeinsamen Arbeitsgruppen ganz neue Möglichkeiten entdeckt, seine soziale Einrichtung aus einer Art Insel-Lage zu führen und zuvor ungeahnte Angebote aufzunehmen wie auch „in die Region zurückzugeben“.

Von der Idee zum Projekt

Am Anfang seien es durchaus „spinnerte Ideen“ gewesen, berichtete Agnes Küpper aus Dingden den interessierten Zuhörern, unter ihnen die Bürgermeister der beteiligten Kommunen. Fünf Leader-Projekte haben sie und ihre Mitstreiterinnen der Dorfgemeinschaft auf den Weg gebracht, zuletzt den jetzt entstehenden Dorfplatz. 450 000 Euro an Fördermitteln seien nach Dingden geflossen, so Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf. Mit Eigenanteilen sei durch Leader rund eine Million investiert worden.

Die Dingdenerinnen haben Spaß und andere angesteckt. Eine ihrer „Brücken“ reicht jetzt über den Rhein bis nach Wesel-Büderich. Dort, wie auch im ebenfalls beteiligten benachbarten Ginderich, regt sich junges bürgerschaftliches Engagement. Rainer Gellings vom Büdericher Bürgerforum, das sich mit den Dingdenerinnen traf, ist von der dortigen „Frauen-Power“ beeindruckt. Zugleich freut er sich auf Kontakte nach Schermbeck. „Wir sind stolz, wir sind Niederrhein“, sagte er.

Dieser von Voerdes Bürgermeister Dirk Haarmann betonte fortlaufende Prozess des kreativen Nach-Vorne-Denkens, des Austausches und Zusammenwachsens, organisiert von der Leader-Region Lippe-Issel-Niederrhein und aktiv unterstützt von den Verwaltungen und Politikern der Kommunen, ist schon ein Wert an sich. Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Vorsitzende der Lokalen Aktionsgruppe der Leader-Region, und das begleitende Büro Inspektour stellten vor, welche Brücken geschlagen werden sollen: zwischen Jüngeren und Älteren, Einheimischen und Migranten, Helfenden und Hilfsbedürftigen, Mensch und Natur, linker und rechter Rheinseite, Niederrhein und Westfalen,regionalen Produzenten und Konsumenten. Das entspricht den vorgegebenen Aufgabenfeldern, zu denen neuerdings auch Soziales zählt, und daraus abgeleiteten Handlungsfeldern, in denen Arbeitsgruppen tätig sind (siehe Box). Ein Quartiersmanagement mit alternativen Wohnformen und Wohn-Börsen unter Einschluss der schon funktionierenden Nachbarschaftsberatung oder auch eine verbesserte Mobilität durch Bürgerbusse und Car-Sharing sind Beispiele.

Abgabe am Freitag, dem 13.

Aus 74 Einzelvorschlägen aus den Kommunen, seit Oktober in Workshops erarbeitet, ist eine 120 Seiten umfassende Bewerbung entstanden, die am Freitag, dem 13. per „reitendem Boten“ nach Düsseldorf gebracht wird. Bei soviel Begeisterung und Herzblut, die die Schermbeckerin Jutta Becker-Ufermann ausmachte, kann das für die Leader-Region nur ein Glückstag sein.