Geliebtes Stufenheck

Ist der jetzt schön oder hässlich? Darüber gibt es geteilte Meinungen.
Ist der jetzt schön oder hässlich? Darüber gibt es geteilte Meinungen.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Freunde des seltenen Volkswagenmodells K70 trafen sich Pfingsten in Wesel. Zum 1. Mal in 25 Jahren Vereinsgeschichte war der Club zu Gast in der Region

Wesel..  Eigentlich ist er ja ein gebürtiger NSU, aber dann kam alles anders und der K70 erblickte unter dem VW-Label 1970 das Licht der Welt. Rund 250 fahrtüchtige Exemplare gibt es heute noch in Deutschland. „Die meisten sind längst weggerostet“, erklärt Frank Erhart, einer von rund 20 K70 Fans aus der gesamten Republik, die ihre Schätzchen am Pfingstsonntag auf dem Flugplatz Römerwardt ausstellten.

Mit seiner schlichten Form hat der K70, als kleiner Bruder des Ro80 geplant, von Beginn an Freunde des ansprechenden Designs umkurvt und auch die Technik war kaum etwas für Enthusiasten. Was also treibt Oldtimer-Fans wie Frank Erhart an, zehn Jahre in der Werkstatt zu verbringen, um ein solches Fahrzeug in neuwertigem Glanz erstrahlen zu lassen? „Der K70 ist so richtig hässlich, das ist für mich das Interessante“, lautet die verblüffende Antwort des KFZ-Mechanikers aus Bergkamen.

Doppelbett inklusive

K70 Eigner Jörg Ballmann aus Lage schätzt neben dem robusten Motor, der ihm schon über 300 000 Kilometer treu bleibt, vor allem die inneren Werte der ehemaligen Familienkutsche: „Wenn ich die Vordersitze umklappe, habe ich ein prima Doppelbett.“ Nur was die alte Technik betrifft, tut sich Ballmann manches Mal schwer: „Wenn ich ihn nach dem Winter aus der Garage hole, suche ich auf den ersten Kilometern immer den fünften Gang.“ Auf den müssen K70 Fahrer ebenso verzichten wie auf eine Servolenkung oder gar eine Klimaanlage.

Aber auch ohne diese Details galt der Volkswagen mit dem Stufenheck als fortschrittlich, was mitunter von Nachteil war. „Wenn ein K70 in die Werkstatt kam, nahmen die Mechaniker Reißaus. Mit Wasserkühlung, Bremskraftverstärker oder Motor und Getriebe in Etagenbauweise kannten sie sich nicht aus“, erinnert sich Peter Rodenberg.

Um an Ersatzteile zu gelangen, haben sich die Liebhaber in Vereinen organisiert, die gezielt Werkstattbestände aus ganz Europa aufkaufen. Wie lange das noch ausreicht, ist ungewiss. „Wir restaurieren defekte Teile wie Wasser- oder Ölpumpen selber. Irgendwann können wir nur noch versuchen, sie nachzubauen“, befürchtet Frank Erhart.

Das einzige Ersatzteil ohne Lieferschwierigkeit ist die Windschutzscheibe, aber auch das nutzt nicht viel. „Es fehlen die Scheibendichtungen, die sind sehr speziell und der Einbau ist eine Höllenfummelei“, erläutert Ingo Menker aus Schermbeck, der Vorsitzender des „1. Internationalen K70-Clubs“ ist.