Gegen das Vergessen

Die Familie Humberg auf einem Foto aus dem Jahr 1932.
Die Familie Humberg auf einem Foto aus dem Jahr 1932.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Der Heimatverein Dingden legte neue Erkenntnisse über die Schicksale von Mitgliedern der Familie Humberg vor.

Hamminkeln..  Am Anfang steht eine glückliche Familie. Fein gekleidet lächelt sie in die Kamera. Noch deutet nichts auf den Terror und tödlichen Hass, auf den unmenschlichen Wahnsinn hin, der sich über die Familie Humberg ausbreiten und vielen Mitgliedern den Tod bringen wird. Wie Millionen anderer jüdischer Familien. Theresienstadt, Auschwitz und Blechhammer sind Gleichnisse einer Zeit, die man immer noch in ihrer Gesamtheit zu erfassen versucht. Zum einen, um zu verstehen. Zum anderen, um nicht zu vergessen.

„Bitte vergiss mich nicht!“

Darum bemüht sich der Heimatverein Dingden nun seit mehr als zwei Jahren. Das Humberghaus hat innerhalb dieser Zeit überregionale Bekanntheit erlangt. Nicht als Museum, sondern als Geschichtsort, der Leben und Schicksal der jüdischen Familie nachzeichnet. Um das so genau wie möglich tun zu können, waren die Vereinsmitglieder Ulrich Bauhaus und Hermann Ostendarp bereits 2013 nach Theresienstadt, Auschwitz und Blechhammer gereist, um sich besonders mit den Schicksalen der Familienmitglieder Siegfried Frank sowie Wilhelm und Leopold Humberg zu befassen. Ihre Ergebnisse stellten Bauhaus und Ostendarp im Heimathaus Dingden vor. Und das Interesse war groß.

Kein Ton erklingt, während Bauhaus und Ostendarp ihre Erkenntnisse vortragen und mit Bildern, die sie mit einem Beamer auf eine Leinwand werfen, unterstreichen. Sie zeichnen die Wege von Wilhelm und Leopold Humberg nach, die in Warschau (Wilhelm) und Theresienstadt (Leopold) sterben, geben präzise Innenbetrachtungen des Konzentrationslagers ab, in dem sie zum Beispiel das Zimmer, das Leopold Humberg bewohnt hat, genau bestimmen können. 1,6 Quadratmeter standen ihm zur Verfügung.

Mit ebendieser Akribie, die sie auch zum internationalen Suchdienst im nordhessischen Bad Arolsen führte, legen sie erschütterndste Schicksale frei. Von Siegfried Frank, der über die Niederlande nach Theresienstadt, von dort nach Auschwitz und Buchenwald deportiert wird, wo er im Außenlager Wille für die Braunkohle-Benzin AG arbeiten muss und im April 1945 auf dem Todesmarsch nach Theresienstadt stirbt.

Bilder aus glücklicheren Zeiten der Familie wechseln sich ab mit Bildern aus den Konzentrationslagern, mit Bildern von Schleusen, durch die Menschen ins Gas geschickt wurden. Mit Zeichnungen, die schmerzhaft menschliche Abgründe offenlegen...

Man könne die Frage stellen, ob man über den Holocaust, über den Nazi-Terror, über Theresienstadt/Auschwitz/Blechhammer immer noch berichten müsse, sagt Ulrich Bauhaus am Ende. Die Antwort bleibe die selbe: „Ja!“ Wie ein Credo liest er einen Vers vor, den Vera Humberg ihrer Freundin Henny schreibt. Der Vers endet mit dem Satz: „Bitte vergiss mich nicht.“ Vera Humberg stirbt in Auschwitz. Sie wird zehn Jahre alt.