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Geduldeter Mauerbau

14.04.2010 | 20:21 Uhr
Geduldeter Mauerbau

Hamminkeln.Eigentlich könnten Jutta und Christoph Grunden eine glückliche kleine Familie sein. Das Paar wohnt in einem schmucken Häuschen, und in ein paar Monaten bekommt Tochter Franziska ein Geschwisterchen. Doch die Grundens haben Ärger - mit der Kreisverwaltung Wesel - und eigentlich auch mit der Stadt Hamminkeln. Denn sie müssen eine Stützmauer, die sie als Abschluss zum Entwässerungsgraben am Wolfsdeich nach dem Bau ihres Hauses errichtet haben, wieder abreißen. Bis zum 20. April.

Doch nicht nur diese Abrissverfügung ist der Grund für den Zorn, den das Paar und Vater bzw. Schwiegervater Heinz Grunden auf die Behörden haben. Sie verstehen nicht, warum die Nachbarn zur Linken oder zur Rechten, die ebenfalls eine solche Stützmauer gebaut haben, statt einer Anweisung eine Duldung bekommen haben. Zu diesen Hausbesitzern gehört auch der Vater von Jutta Grunden.

Gestern schilderte die Familie Grunden, wie es zu der komplett verfahrenen Situation gekommen ist. Im Sommer 2006 war das Haus an der Von-Plettenberg-Straße gebaut worden, im Oktober mauerte man die kleine Mauer entlang des Grundstücks, das die Fläche vom Graben trennt. Kurze Zeit später ging bei der Stadt Hamminkeln eine anonyme Anzeige wegen dieser Mauer ein, und der Vorgang wurde an die Kreisverwaltung weitergeleitet. Einer Ortsbesichtung folgte eine Ordnungsverfügung durch den Fachbereich wegen Verstoßes gegen das Landeswassergesetz, wonach „bauliche Anlagen von Gewässern einen Mindestabstand von drei Metern“ haben müssen.

Gegen die Verfügung legten die Grundens Widerspruch ein, wollten auch klagen. Man einigte sich auf eine Fristverlängerung. „Wir haben gehofft, dass sich das Gesetz ändert oder der Fall einfach zu den Akten gelegt wird“, gibt Jutta Grunden (30) zu. Doch schon nach eindreiviertel Jahren kam die Erinnerung aus dem Kreishaus, dass die Mauer abzureißen sei, ärgert sich Schwiegervater Heinz Grunden. „Wir haben noch einmal mit dem Sachbearbeiter gesprochen und ihn auf das unterschiedliche Vorgehen seiner Behörde hingewiesen. Doch der hat uns erklärt, er wolle ein Exempel statuieren“, erinnert sich die werdende Mutter an das Gespräch.

Nicht erst nach dem neuerlichen Schreiben der Behörde vom März 2010 und der Androhung des Zwangsgeldes in Höhe von 4000 Euro, falls die Mauer nicht bis zum 20. April abgerissen werde, haben die Grundens versucht, alle Hebel in Bewegung zu setzten, um die Beseitigung noch abzuwenden. „Ich bin total enttäuscht von der Politik. Es kann doch nicht sein, dass uns niemand hilft“, beschreibt Heinz Grunden, der ehrenamtlich unter anderem seit Jahrzehnten für die Caritas arbeitet, sein Unverständnis. Bei einem Besuch im Rathaus habe er vom Bürgermeister mit dem Hinweis auf den Kreis als zuständige Behörde ebenfalls keine Unterstützung bekommen. Bis zum Landrat sei man gar nicht erst vorgedrungen. Martin Wegner, Fachbereichsleiter beim Kreis, erläutert, dass seine Behörde nicht mit zweierlei Maß messe. Die Grundstücke, für die eine Duldung erteilt worden sei, lägen in einem alten Baugebiet. Falle eine Sanierung der Stützmauern an, müssten auch diese abgerissen werden. Wegner sprach auch von einem „ungeheuren Wildwuchs“, gegen den mit den Wasser- und Bodenverbänden vorgegangen werden solle.

Margret Brüring

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