Gebäudereiniger kämpfen mit unsauberen Mitteln um Aufträge
14.04.2010 | 15:45 Uhr 2010-04-14T15:45:00+0200
Kreis Wesel. Stundenlöhne weit unter dem Mindestlohn, unausgebildete Kräfte, keine Sicherheitsstandards: In der Gebäudereinigungsbranche tobt ein erbitterter Konkurrenzkampf - häufig ohne Rücksicht auf Angestellte und Tarife, wie die IG Bau für den Kreis Wesel berichtet.
In Bocholt ist kürzlich ein Gebäudereiniger durch das Glasfenster eines Einkaufscenters gefallen und hat sich schwer verletzt. „Das passiert, wenn Billiganbieter solche Aufträge übernehmen, die unausgebildeten Leuten Hungerlöhne zahlen und sich nicht um Sicherheitsvorschriften scheren“, sagt ein altgedienter Mann der Zunft, der von Wanderkolonnen quer durch Deutschland berichtet, die ihre Dienste zu Niedrigstpreisen anböten. Für den Kreis Wesel bestätigt die zuständige Gewerkschaft IG BAU Praktiken, Tarife zu unterlaufen.
Innung verteidigt Mitgliedsbetriebe
Während die Gewerkschaft dabei auch einzelne Betriebe nicht ausschließt, die der Innung für das Gebäudereiniger-Handwerk angehören, vertritt die Innung von Duisburg aus bis nach Wesel und Kleve „qualifizierte Meisterbetriebe“, die sich sehr wohl an die Tarife hielten, wie Stefan Piel, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Duisburg, sagt. Die „durchaus guten, etablierten Firmen“ seien pflichtversichert und würden hinsichtlich der Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen überprüft. Sie wollten „nicht in mörderische Preiskämpfe gezogen werden“.
Er weiß aber auch, dass sich nach der Novellierung der Handwerksordnung „jeder auch ohne Ausbildung selbstständig machen“ kann und dass immer wieder Putzwillige vor allem bei Geschäftsleuten anklingeln, die ihre Dienste, wie er schildert, etwa für vier Euro die Stunde anböten.
„Jede Reinigungskraft muss ab sofort mindestens 8,40 Euro pro Stunde verdienen“, hatte die Gewerkschaft nach den jüngsten Tarifabschlüssen den rund 6370 Gebäudereinigern im Kreis Wesel verkündet, von denen nach ihren Angaben etwa 2770 sozialversicherungspflichtig und die übrigen auf 400-Euro-Basis geringfügig beschäftigt sind. Für Fassaden- und Glasreiniger betrage der Mindestlohn 11,13 Euro, sagt Friedhelm Bierkant, Vorsitzender des IG BAU-Bezirksverbandes Duisburg-Niederrhein.
Zunehmend geringfügig beschäftigte Frauen
Indes: Die Praxis sehe oft anders aus - auch im Kreis und auch in Wesel. „Jeden Tag sind wir unterwegs und müssen Klagen führen“, sagt seine Kollegin Zeynep Bicici, die für die Branche zuständig ist. Zwecks Einsparungen würden die Reinigungszeiten gekürzt. Mitarbeiter, zunehmend geringfügig beschäftigte Frauen, würden unter Druck gesetzt, mit weniger zufrieden zu sein - unter Ausnutzung ihrer sozialen Lage und mit dem Hinweis, sie seien leicht ersetzbar. Befristete Jobs seien immer häufiger.
„Viele Firmen haben Subunternehmen gegründet und die gehören dann nicht der Innung an“, so Zeynep Bicici. In etlichen Unternehmen gebe es keinen Betriebsrat und würden Gewerkschaftsmitglieder ausgegrenzt.
„Eigentlich ist das ein Ausbildungsberuf“, sagt sie. Aber vielfach gelte „Learning by doing“, und dann mangele es auch in punkto Sicherheit - beim Verhalten wie teils auch bei der Ausrüstung. Es gebe Kontrollen durch den Zoll. Aber am besten sei es, wenn die Kunden auf die Einhaltung von Tarifen achteten, appelliert sie.
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