Gastliche Kirchen und Dörfer
22.01.2010 | 18:13 Uhr 2010-01-22T18:13:00+0100
Hamminkeln. „Wir haben die Karnevalswoche gezogen. Das ist nicht gerade das große Los.” Aber von der Terminierung der „Local Hero”-Woche für Hamminkeln lässt sich Organisator Ulrich Ingenbold nicht abschrecken.
Im Gegenteil. Dass angesichts des Höhepunktes der närrischen Session keine größeren Säle zur Verfügung stehen, nutzte der Leiter der Hamminkelner Musikschule für eine ganz besondere Wahl der Veranstaltungsorte - und fand damit auch gleich das Motto der Woche vom 7. bis 13. Februar: „Wir lassen die Kirche im Dorf.”
Die Hamminkelner Woche zur Kulturhauptstadt „Ruhr.2010” bietet Kultur unter anderen Aspekten. „Wir haben hier keine urbanen Strukturen, haben keine Passanten, die wir mit einbeziehen können. Wir müssen den Ball flach ghalten und so auf die Menschen zugehen, wie sie es gewohnt sind”, beschreibt Ingenbold die Aufgabe. Dass die gelöst wird, davon ist er überzeugt.
Der Kartenverkauf für die Hamminkelner „Local-Hero”-Woche” im Rathaus startet am Montag, 25. Januar. Die Karten kosten fünf Euro für Erwachsene und zwei Euro für Jugendliche und Studenten. Der Erlös ist für das Krankenhaus-Projekt der Dingdener Annemarie Klocke in Togo vorgesehen. Theater- und Musikangebote in Grundschulen und Seniorenheimen der Stadt sind interne Veranstaltungen, die ebenfalls in der Woche vom 7. bis 10. Februar stattfinden.
Den Auftakt am Sonntag, 7. Januar, um 17 Uhr gestalten viele Hamminkelner gemeinsam. Passend zum Leitmotiv heißt es im Ratssaal „Vocal Heroes - Zwischen Wirtschaftswunder und Woodstock”. Die Akteure sind der MGV „Bleib treu” Hamminkeln, der Chor Murisono, der sich unter dem Dach der Musikschule formiert hat, und die Lehrerband der Musikschule. Dass es hier eine Ausnahme beim Veranstaltungsort gibt, hat seinen Grund: „Wir erwarten so viele Besucher, die hätten in keine Kirche gepasst.” Und noch eine Besonderheit gilt für das Konzert: Zur Einstimmung gibt es weder Brot noch Wein. Dieses Angebot, immer eine Stunde vor dem eigentlichen Beginn, ist den übrigen Terminen in den Kirchen der einzelnen Ortsteile vorbehalten.
Maskerade zum Auftakt
Beispielsweise am Montag, 8. Februar, in Dingden. Ab 19 Uhr gibt es dort in der Evangelischen Kirche zunächst die Möglichkeit zur Begegnung, bevor um 20 Uhr mit „This Masquerade” verschiedene Kunstformen aufeinander treffen. Die Literaturgruppe Dichterloh stellt eigens für diesen Tag entstandene Lyrik vor, die Gruppe „Mal-Art” hat Bilder zum Thema entworfen, die auch ersteigert werden können. Den musikalischen Part bestreitet die niederländische Sängerin Aicha Klei. Ihre Partner sind Lehrer der Musikschule Hamminkeln.
Weiter geht's in Loikum. Am Dienstag, 9. Februar geht es dort um Tanz und Töne jenseits des musikalischen Bildersturms in England: „An English Masque”. Abseits aller calvinistischen Enthaltsamkeit soll hier der Spaß der englischen Queen an Humor, Entspannung und Maskerade im 16. Jahrhundert dargestellt werden. Die Experten dafür: Anja Kaib, Jochen Schröder, Wolfgang Kostujak, Schüler und Lehrer der Musikschule.
Dass Venedig ganz nah an Marienthal grenzt, wird am 10. Februar, deutlich. „Venezianische Nacht” lautet der Titel in der Klosterkirche. Der Flötist Thomas Kügler hat sich gründlich mit dem Frohsinn der Karnevalsmetropole im 18. Jahrhundert befasst. Seine Begleiter sind Claas Harders (Viola da Gamba) und Wolfgang Kostujak (Cembalo).
Das Thema Passion
In Wertherbruch soll am 11. Februar Kirche nicht nur Kulturraum sein, sondern auch Bezug zum künstlerisch Dargebotenen haben. Unter dem Titel „Passio” vereinigen sich Tanz, Musik, Texte und Installationen. Während es hier eine Vielzahl von beteiligten Künstlern gibt, steht beim Einakter „Der Kontrabass” am 12. Februar Klaus Wilmanns allein auf der Bühne im Evangelischen Gemeindezentrum Mehrhoog.
Der Bogen von der Kultur- zur Bundeshauptstadt wird am 13. Februar geschlagen: In der Evangelischen Kirche Ringenberg will der Berliner Bluesmeister Franz de Byl für das etwas andere Gotteslob sorgen. Seine einzige Bedingung für den Auftritt: Ulrich Ingenbold und Klaus Wilmanns, beide ehemalige Weggefährten, müssen mit dabei sein. Welches Instrument Ingebold spielen wird, weiß er derzeit noch nicht. „Ich bringe einfach alles mit, Flöte, Gitarre und Percusssion.”
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