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Futter für die "dicke Berta"

12.11.2007 | 17:59 Uhr

BIOGAS. Landwirtin Katrin Kleinpaß setzt auf nachwachsende Rohstoffe. Auf dem Huferhof in Brünen wird seit zwei Jahren aus Mais, Sonnenblumen und Grünroggen Energie gewonnen.

HAMMINKELN. Es ist wie früher, als noch Kühe im Stall des Huferhofes standen. Auf den Feldern wuchs das Futter für die Tiere. Auch heute wird gesät, geerntet und gefüttert. Aber der Mais, die Sonnenblumen und der Grünroggen landen nicht im Magen von Kühen, sondern alles bekommt die "dicke Berta". Milch gibt sie nicht, dafür reichlich Gas, mit dem Strom erzeugt wird. Der Kuhstall auf dem Hof an der Raesfelder Straße in Brünen steht lange leer, dort haben Katrin Kleinpaß (34) und ihr Vater eine Biogasanlage installiert.

Biogas, Energie aus Biomasse - darüber lässt sich trefflich streiten. Einige sehen durch die Anlagen die Viehhaltung am Niederrhein gefährdet, andere erheben mahnend den Zeigefinger, landen doch Mais und in einigen Betrieben auch Getreide im Fermenter und nicht auf dem Esstisch. Katrin Kleinpaß, staatlich geprüfte Landwirtin, kennt die Diskussionen, die Argumente hat sie schon gehört. "Erst wird alles hochgejubelt, dann schlecht gemacht und schließlich relativiert. Dabei sind wir jetzt", sagt sie. Zum Huferhof gehören 50 Hektar Ackerfläche. Sie reichen aus, um die Anlage allein zu füttern. Wird aber nicht gemacht. "Monokultur widerstrebt uns als Landwirte", betont Kleinpaß. Damit der Boden nicht leidet, wird nicht jedes Jahr die gleiche Frucht angebaut.

Kooperationsverträge geschlossen

Davon profitieren andere Landwirte. Mit gut 15 hat Familie Kleinpaß Kooperationsverträge abgeschlossen. "Die bauen für uns den Mais an", erläutert sie. Gerade für Landwirte, die mit dem Gedanken spielen, ihren Betrieb stillzulegen, sei das eine Alternative. Andere können nach der Getreideernte auf den Flächen Grünroggen für die "dicke Berta" anbauen.

Bis vor 20 Jahren standen im Stall des Huferhofs noch Kühe. Dann war Schluss mit der Viehhaltung. Ackerbau wurde das Standbein, erzählt Katrin Kleinpaß, die damals gerade im zweiten Ausbildungsjahr war. Vor vier Jahren befasste sie sich das erste Mal ersthaft mit dem Thema Biogas. "Bei uns passte es rein, wir hatten die Kapazitäten, da wir keine Tiere mehr hatten." Und so wurde erst gerechnet und schließlich investiert. In den Fermenter, dem geschlossenen Gärbehälter, in dem das Gas produziert wird, in den Nachgärer und den Motor. Seit zwei Jahren läuft die Anlage. Für 500 Kilowatt pro Stunde ist sie ausgelegt, etwa die Hälfte produziert sie heute.

Dafür landen pro Tag rund elf Tonnen Maische in der "dicken Berta", wie Familie Kleinpaß die Anlage getauft hat. Bei gut 42 Grad machen sich Bakterien ans Werk, fressen aus dem Substrat die Stärke und setzen Gas frei, das oben abgepumpt werden kann. Was vom Mais, von den Sonnenblumen und vom Grünroggen übrig bleibt, landet als Dünger auf den Ackerflächen. Und dort wächst dann wieder Futter für die "dicke Berta".

MICHAEL TUREK (Text) OLAF FUHRMANN (Fotos)

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