Furioser Start in den Klaviersommer

Wesel..  „Großartig“ beginnt der 17. Klaviersommer des Städtischen Musikvereins Wesel am Pfingstsonntag in der Aula der Musik- und Kunstschule. Den Auftakt machte Andrei Shychko. Der große junge Mann (21 Jahre) aus Weißrussland scheint bereits nach den ersten Takten in den Flügel hineinzukriechen, beugt sich tief über die Tasten als wolle er mit ihnen verschmelzen. Kunstfertig beherrscht er bei Haydns Klaviersonate in C-Dur die Wechsel zwischen träumerischer Leichtigkeit und harten Akkorden.

Mindestens so interessant wie seiner Musik zuzuhören ist es, ihm zuzusehen: Da ziehen sich die Brauen hoch und die Augen zusammen, der Rücken wird ganz rund und krümmt sich über den Tasten. Aber so angespannt Andrei Shychkos Haltung auch ist, sein Spiel besticht durch virtuose Leichtigkeit und akustische Feinheiten.

Bei der Klaviersonate Nr.2 in gis-Moll von Alexander Scriabin (1872 – 1915) fließen die Töne dahin wie das Wasser an einem stürmischen Tag am Meer. Von Gewitter, Blitz und Donner, Sonnenschein und warmem Sommerregen erzählt Andrei Shychko, lässt die Musik wie Bilder vor den Augen der Zuhörer entstehen. Die Klaviersonate in h-Moll von Franz Liszt beginnt leise, wie mit einem Glockenschlag und endet auch so. Dazwischen bombastische Lautstärke, komplizierte Läufe bei denen die Finger des Pianisten präzise über die Tasten rasen. Etwas für Liszt-Liebhaber.

„Großartig“ ist das Urteil von Liv Krekeler und Shirly Knappmann (beide 13). Sie spielen seit drei bzw. zwei Jahren Klavier an der Städtischen Musik- und Kunstschule und haben deshalb immerhin einen kleinen Einblick in die Arbeit des Künstlers. Andrei Shychkos Talent wurde schon früh erkannt und gefördert. Er hat die Staatsakademie für Musik in Minsk abgeschlossen, momentan studiert er am Tschaikowski Konservatorium in Moskau. Beim Internationalen Klavierwettbewerb in Takamatsu (Japan) gewann er 2013 einen beachtlichen zweiten Preis. Für seine Interpretation der Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 von Franz Liszt gewann Andrei Shychko Anfang 2015 in Brest beim Concours international de piano den ersten Preis.