Flieger und Fahrschullehrer
18.02.2010 | 18:14 Uhr 2010-02-18T18:14:00+0100
Wesel. Es ist eine wahre Fundgrube an alten Dokumenten, die der Weseler Peter Niehues (53) jetzt der Stadt Wesel vermacht hat. Und es ist ein Stück Geschichte, das damit dokumentiert wird. Denn Niehues stammt aus einer Familie, die technisch sehr bewandert war.
Peter Niehues' Großvater Julius, nach dem in Wesel auch eine Straße benannt ist, war schließlich ein Segelflugpionier, der selbst Flugzeuge konstruierte und es damit bis auf die Internationale Luftschifffahrtausstellung 1909 in Frankfurt schaffte. Der zugehörige Katalog hat aus Niehues zwar Niehaus gemacht, doch mit der Schreibweise gab es abseits des Niederrheins immer wieder mal Probleme, wie Enkel Peter weiß.
Zweiradmechaniker
und Konstrukteur
Der flugbegeisterte Weseler, der 1886 geboren wurde und in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs bei einem Luftangriff in der heutigen Kreisstadt starb, war von Beruf Zweiradmechaniker, verkaufte Autos, Motorräder und Fahrräder. Doch sein Hobby war die Segelflugzeugkonstruktion. Zusammen mit Karl Jatho, ebenfalls aus Wesel und ebenfalls mit einem Straßennamen geehrt, tüftelte er in einer Garage so manches aus.
Weder mit dem Fliegen noch mit der Fahrschule hat Enkel Peter Niehues heute etwas zu tun. Er ist als Immobilienmakler tätig und würde nicht gern in ein Segelflugzeug einsteigen. Das gehe auch seiner Tochter so, die einen Gutschein für einen Rundflug mit solch einem Fluggerät geschenkt bekommen habe. Das sei schon lange her, der Gutschein aber bis heute nicht eingelöst. Für die Familiengeschichte interessiert sich der 53-Jährige dagegen sehr. Er ist deshalb immer auf der Suche nach weiteren Spuren, die sein Großvater hinterlassen hat.
Er konstruierte einen Abflugturm für Segelflieger, der später in Oberhausen-Holten aufgestellt wurde. Und er probierte die Fluggefährte selbst aus. Der Truppenübungsplatz in Friedrichsfeld war dafür das ideale Gelände. Doch auch am Boden entwickelte Julius Niehues senior eine besondere Vorliebe: Er gründete 1912 die erste Weseler Fahrschule, vielleicht sogar die erste am Niederrhein, wie sein Enkel mutmaßt.
Der 53-Jährige hat aus beiden Bereichen einiges zusammengetragen. Da gibt es zum Beispiel Fotos in Sachen Fliegerei und Fahrschule, Firmenbögen, Werbung von einst und Zeitungsartikel. Schließlich war sein Vater (1912-1999), der ebenfalls Julius hieß, genauso segelflugbegeistert. Er übernahm die Fahrschule, die bis Ende der 70er Jahre von ihm geführt wurde und die heute unter demselben Namen, aber unter anderem Inhaber weiterläuft. Und er fuhr wie der Flugpionier liebend gern Motorradrennen. All dies findet sich in der Fülle von Dokumenten wieder, von denen zwei bereits in der zurzeit noch laufenden Ausstellung zum Wiederaufbau der im zweiten Weltkrieg völlig zer-störten Stadt im Centrum hinter Glas lagern.
Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, der Erste Beigeordnete Wolfgang Jung, Museumsleiter Jürgen Becks und natürlich Stadtarchivar Dr. Martin Wilhelm Roelen freuen sich über die neu hinzugekommenen Schätze. Schließlich sei das Weseler Archiv eines der bedeutendsten im Rheinland, betonte Jung, der sich die Unterlagen genauso interessiert betrachtete wie alle anderen. Vor allem die Original-Postkarten mit Flugmodellen hatten es ihnen angetan, aber auch die Bilder aus der Fahrschulzeit mit den alten Automodellen und der Werbung von einst.
bsp;
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