Feuerwehr steht vor veränderten Aufgaben

Wesel..  Gestern Nachmittag, Feuerwehreinsatz in Büderich. Eine Hilflose Person wird in einer Wohnung vermutet, die Wehr öffnet die Tür, hat den Rettungswagen dabei, bereit zu helfen. Hier kommt sie zu spät, der Bewohner ist verstorben, immerhin kann sein Hund befreit werden. „Wir sind immer mehr Dienstleister an der Gesellschaft“, beschreibt Wesels Feuerwehrchef Thomas Verbeet die sich wandelnden Aufgaben seiner Leute.

48 Mal wurden sie im vergangenen Jahr zum Öffnen einer Wohnungstür gerufen. Wenn ein Nachbar seit Tagen nicht mehr gesehen wurde beispielsweise. Technische Hilfeleistung, die immerhin 41 Menschen das Leben gerettet hat. Heute Abend wird Verbeet bei der Jahreshauptversammlung der Wehr die Bilanz 2014 vortragen.

Erstaunlich und für die Feuerwehr erfreulich: „Wir haben niemanden bei einem Brand gerettet.“ Verbeet sieht das als Bestätigung der Strategie: Erste Aufgabe der Einsatzkräfte vor Ort ist es, die Fluchtwege rauchfrei zu halten. So können die Menschen aus eigener Kraft die Häuser verlassen, und das ist gelungen. Das im vergangenen Jahr in Betrieb genommene neue Feuerwehrfahrzeug HLF 20 erleichtert diese Strategie, weil alle nötigen Utensilien sofort griffbereit sind.

256 Mal rückten die Retter im vergangenen Jahr zu Bränden aus. Einige davon sind unvergessen: Das abgebrannte Haus am 7. August in Blumenkamp. Eine achtköpfige Familie verlor in dieser Nacht ihr Heim, aber immerhin war niemand im Haus. Spektakulär auch die 300 brennenden Heuballen am 30. August auf einem Gindericher Feld - sie waren nicht zu löschen. Die Wehren ließen sie kontrolliert abbrennen.

Ungefährlich sind die kleinen, unspektakulären Küchenbrände nur deshalb, weil sie rechtzeitig gelöscht wurden, ohne sich auszubreiten.

Die Zahl der Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen ist rückläufig, seit die Feuerwehr dafür Rechnungen schreibt. „Das führt dazu, dass die Geräte besser gewartet werden“, so Verbeet. 83 Fehlalarme gab es noch, 17 weniger als im Vorjahr. Doch die Anlagen sind sinnvoll: Ein brennender Trafo in der Zwischendecke der Kinderstation im Marien-Hospital am 21. Oktober wurde auf diese Weise entdeckt und gelöscht.

Mit dem Löschboot waren die Feuerwehrleute auf dem Rhein aktiv, konnten nach der Kollision zweier Binnenschiffe im Juli deren Sinken verhindern. „Der Rhein wäre sonst unpassierbar geworden“, so Verbeet. Künftig sollen sich die Rheinanlieger die Kosten für das Boot teilen.