Fette Beute für kleine Bislicher

Während die Narren kreativ um die Krone der Besten ringen, sind ihre kleinen Gäste auf Kamelle aus – ein ganzes Dorf voller bunt verkleideter Kinder.
Während die Narren kreativ um die Krone der Besten ringen, sind ihre kleinen Gäste auf Kamelle aus – ein ganzes Dorf voller bunt verkleideter Kinder.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma

Wesel..  Nee, also mit den Jungschützen haben diese Güllepumpen-Piloten nix an der Kappe. „Wir sind schon mit zehn angefangen“, erklärt Malte Schwerin (16). Jungschütze durfte man da noch nicht sein. Und jetzt sind die „Knallköppe“, wie die Bislicher Jungs sich nennen, zumindest an diesem Tag ihre erklärten Gegner. Es geht um die Ehre. Wer hat den besten Wagen? Klar. „Fuck for TÜV“ und die „Beste Güllepumpe auffer Welt“, wenn das nicht hilft. Stilecht nippen die Knallköppe ihr „Flasch Flens“ und hoffen auf den Sieg.

Der Bislicher Rosenmontagszug ist klein, fein und er strotzt vor Selbstbewusstsein. Das war immer schon so: 1973, als die kommunale Neugliederung Bislich zum Stadtteil von Wesel gemacht hatte, ging das los. „Wir hatten drei Wagen und das ganze Dorf zog mit“, erinnert sich eine Bislicher Seniorin. Inzwischen wissen Kinder aus der ganzen Region: In Bislich regnet es einmal jährlich ordentlich Kamelle, kein Kind geht ohne Beute heim. Entsprechend warteten gestern wieder etliche auf kurzen Beinchen am Straßenrand. Vor allem Eltern schätzen es, dass ihre kleinen Käfer, Piraten und Supermänner sich vergleichsweise frei bewegen können.

Derweil treibt der Wettbewerb um die Wagenprämierung die kreativsten Blüten. „Als Nessi zu Besuch in Bislich war, wurde ihm am Fähranleger sehr schnell klar, die Dalben viel zu kurz geraten sind, wer dafür wohl die Verantwortung übernimmt...“ – Knittelverse zum Dorfgeschehen, der diesjährige Beitrag der „Lüddelüts“.

Als Kraken zieht das Tambourcorps Bislich los. „40 Jahre warteten wir gespannt, nun haben die Bislicher einen Südseestrand...“ Sind sie nun Oktopusse oder eher Tintenfische – und wo liegt überhaupt der Unterschied? Die philosophischen Diskussionen tun der guten Laune keinen Abbruch.

Siegesgewiss die Jungschützen, als Bierhumpen in ihrem Paulaner-Biergarten. „Mit des Bieres Hochgenuss wächst des Bauches Radius“ lernen die Jecken am Straßenrand, während die Jungschützen ihr Gefährt ordentlich ins Wippen bringen. Viel Feind, viel Ehr: Man muss kein Genie sein, um ihre Gegner auszumachen. Es genügt, lesen zu können: „Eber, Sauen, wilde Schweine gibts in Bislich leider keine. Darum muss der Jäger hier wissen, auf Jungschützen, da soll er schießen.“ Reim dich, oder ich fress dich – aber die Ansage der „Faces of Asia“ immerhin ist klar.

Neben den Bierhumpen der Jungschützen, den Werners und den Jägern gibt es sonderbare Gestalten in weißen Bademänteln mit Perücken. Sogar ihre Musik ist anders, irgendwie. Der Stammtisch „Die wilde 13“ hat Udo Jürgens ein Denkmal gesetzt, ein selbstgebauter weißer Flügel ziert ihren Wagen. Seine Lieder tönen unverwechselbar über den Platz. Klar, sie funktioniert wie eh und je. Automatisch bewegen sich die Jecken dazu. „Er hat uns doch alle geprägt in unserer Jugend. Wir mussten das doch immer mithören“, meint Hugo. Hugo wer? „Einfach nur Hugo“. Und die Edelknaben? Die werfen in diesem Jahr eine „Fiesta Mexicana“ ins Rennen. „Wir sind die schnellsten Mäuse von Mexiko.“ Das haben sei beim Dreiwiesellauf gezeigt. Wenn das kein Argument ist!

Kreativ und quietschbunt auch die Fußgruppen – niedliche Schnecken, Leuchttürme mit Blinklicht. „Wir sind der Stammtisch Freitag, der 13.“, erklärt Jügen Giesen, „wir haben keine Botschaft.“ Hübsche Ringel haben sie aber und bereichern, wie die Käsköppe, die Mario Karts und zahlreiche andere das Bislicher Rosenmontagsbild.