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Falsch, aber kein Grund zu Aufregung: „Er ist da hingegingt...“

27.01.2012 | 18:37 Uhr
Falsch, aber kein Grund zu Aufregung: „Er ist da hingegingt...“
Birgit Dams engagiert sich beim Kinderschutzbund für die Sprachförderung von Kindern. Mit bunten Bildern animiert sie die Kleinen, ins Gespräch zu kommen. Foto: Markus Weißenfels

Wesel.   Kinder nicht harsch korrigieren und abwürgen: Das ist ein Prinzip der Sprachförderung beim Kinderschutzbund. Neue Pläne.

„Er ist da hingegingt und hat das hingebringt.“ Solche Sätze bekommt Birgit Dams schon mal von Kindern zu hören. „Dann bloß nicht harsch korrigieren und die Kinder nicht abwürgen“, weiß die Frau vom Deutschen Kinderschutzbund. „Lieber geduldig darauf eingehen und sagen: ,Ja, du hast recht, er ist da hingegangen’.“

Die richtige Wortwahl spielerisch und ohne Druck zu vermitteln, das ist ein Ziel der Sprachförderung, die der Kinderschutzbund am Großen Markt praktiziert. Nach der überregionalen NRZ-Berichterstattung zum ersten „Bildungsbericht Ruhr“, der einen höheren Förderbedarf in der Region als im restlichen NRW analysiert hatte, wandte sie sich schnurstracks an die Redaktion. Denn neben bereits bestehenden Angeboten will der Verein in diesem Jahr neue Wege gehen.

„Da laufen wir jetzt hin.“ Ein stinknormaler Satz, wie er tagtäglich gesagt wird. Das könnte man auch anders ausdrücken, sagt Sprachheilpädagogin Birgit Dams. Wie wäre es mit „sausen wie der Wind, hinflitzen oder rennen“? Die 54-Jährige, die sich selbst als Sprach-Junkie bezeichnet, und ihre Kollegen sind da, wenn Kinder in Not geraten, wenn Eltern Beratung brauchen, wenn Pädagogen neue Wege ausprobieren wollen - oder wenn die Worte fehlen.

Kein stures Pauken

„Ich bin Max“ heißt ein bereits bestehender Kurs für Pädagogen in Sachen Sprachentwicklung von Kindern vom Kleinkindalter bis zur Grundschule. Er basiert auf dem in den Niederlanden praktizierten Konzept „Language Route“, das nicht auf stures Pauken abzielt, sondern den Alltag von Kindern und deren Art, sich auszudrücken, in den Mittelpunkt der Förderung stellt. „Ich bin Max“ gibt es auch für Eltern, die Tipps erhalten, wie sie ihre Kinder für Bücher begeistern können, wie der Nachwuchs durchs Erklären von Bildern zum Geschichtenerzählen ermuntert werden kann und vieles mehr.

Ein neues Angebot speziell für Eltern, „die selbst noch lesen und schreiben lernen wollen“, ist geplant, so Birgit Dams. Die Zielgruppe erreichen will der Kinderschutzbund durch Kontakte zu Kindergärten und anderen interessierten Partnern. Spender und Sponsoren für dieses Projekt, das noch nicht finanziell abgesichert ist, werden gesucht. Auch andere Sparten wie Mathematik können dann an Erwachsene vermittelt werden. „Ein Mann, 64 Jahre alt, sagte zu mir: ,Ich kann nicht rechnen. Deshalb log ich jahrelang meine Kinder an. Aber das will ich bei meinen Enkelkindern nicht mehr’“, erzählt Birgit Dams. Ihre Überzeugung: „Man muss die Erwachsenenwelt ändern, damit die Kinder nachziehen können.“ Auch bei der Sprachförderung, die so wichtig sei.

„Wir brauchen Sprache, um Emotionen auszudrücken. Wenn Kinder das nicht können, weil sie es nicht gelernt haben, sind sie zu anderen Ausdrucksformen gezwungen.“ Brüllen, schreien oder schlimmstenfalls körperliche Gewalt. „Dann fehlt ein Fenster zur Seele.“

Wodurch können Kinder den Spaß an Sprache verlieren? „Viel Zeitmangel in Familien“, ist für Birgit Dams ein wichtiger Grund. Und: „Für viele Familien wird es immer schwieriger, mit kleinen Löhnen zu überleben.“ Die Übermacht des Fernsehens, nicht behandelte Infekte bei Kindern, die zu Mittelohrentzündungen und zu Hörstörungen führen, zählen ebenfalls dazu.

Alltag macht maulfaul

Wenn im Alltag die Verständigung auf wenige Worte reduziert wird, spricht Birgit Dams von einer „Sprachverarmung“. Bei der Frage „Hast du Hunger?“ ist ein schlichtes „Ja“ oder „Nein“ programmiert. Birgit Dams’ weit weniger bequeme Alternative: „Worauf hast du Appetit?“ Bei der anschließenden Antwort sollte man einem Kind Zeit geben, was leider oft nicht der Fall sei. „Aber so ein kleiner Kopf braucht Zeit.“

UMZUG GEPLANT: Mehr Räume nötig

Der Kinderschutzbund am Großen Markt 9 wird sich in diesem Jahr räumlich vergrößern - mit neuem Domizil ebenfalls an zentraler Stelle. Der Verein ist zu erreichen unter Tel. 0281/33950-0. An diese Nummer können sich auch Spender und Sponsoren wenden. Auf der Internetseite www.dkbs-wesel.de gibt’s Informationen zu allen Angeboten in der Hansestadt.

Susanne Storck

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