Faktor Mensch beginnt beim Baby

Wesel..  Das Kaufen und Verkaufen per Internet nimmt rasant zu. Was können die Einzelhändler tun, um da mitzuhalten, lautete die Frage bei einer Veranstaltung im Rathaus, die in der vergangenen Woche viele Besucher bewegte. Eine Antwort: Setzt auf den „Faktor Mensch“, die persönliche Begegnung und Beratung. Ute Liman und ihr Team in der Adler-Apotheke an der Hohen Straße tun dies mit Nachdruck. Angefangen bei den Babys.

Auch Medikamente werden online gekauft. Ebenfalls im Internet - in diversen Foren - zu haben sind kluge Tipps. Gegen Rheuma, Halsschmerzen oder Fußpilz. Allerdings: Diese Materie ist besonders sensibel. Auch ohne kaufmännisches Kalkül lässt sich mit der Apothekerin feststellen, dass da auch „eine ganze Menge Mist“ verbreitet wird.

Kompetenz ist stattdessen gefragt. Und Vertrauen. Der persönliche Kontakt vor Ort hat eine andere Qualität. Das gelte natürlich für alle Kunden, sagt Ute Liman. Mit dem Umbau ihrer Apotheke vor gut einem Jahr ist zudem der besondere Schwerpunkt als „babyfreundliche Apotheke“ ausgebaut worden.

Vor dem eigenen Erfahrungshintergrund - sie war gerade schwanger - entstand ein neuer Still- und Wickelraum, den alle Mütter bei Bedarf aufsuchen dürfen. Baby-Waagen und Milchpumpen können sie ausleihen. Die „Baby-Abteilung“ im Verkaufsraum präsentiert sich seither in sonnengelbem Farbton. Und sie und ihre vier Mitarbeiterinnen, darunter drei ausgebildete Apothekerinnen, wurden speziell geschult und geprüft.

Der Verein „Babyfreundliche Apotheke“, von Apothekern und Stillberaterinnen in München gegründet, hat die Adler-Apotheke zum Jahresbeginn nach einem Handbuch für Qualitätsmanagement rezertifiziert. Nach regelmäßigen Fortbildungen, Selbststudium und Einzelprüfungen wurde die Umsetzung von Qualitätsvorgaben im „Apotheken-Alltag“ kontrolliert.

Die Beratung beginnt mit der Schwangerschaft. Vorsicht bei der Einnahme von Medikamenten, lautet da eine Regel. Im konkreten Fall ist guter Rat gefragt. Unter anderem hinsichtlich der viel diskutierten Antibiotika. Bei aller Sachkenntnis: „Wir wissen, wo unsere Grenzen sind“, sagt Ute Liman. Weshalb der Aufbau und die Pflege eines Netzwerkes von großer Bedeutung sind. Hinweise auf Hebammen und Stillberaterinnen, deren Meinung die Apotheke auch zu Produkten einholt, oder auf das Welcome-Projekt sind wertvoll; und auch darauf, dass in bestimmten Fällen ein Arzt aufgesucht werden sollte. Monatlich informiert der Münchener Verein über Neuigkeiten auf dem Gebiet.

Die Begleitung der Mütter und ihrer Babys mache besonders viel Spaß, sagt Ute Liman, deren Sohn Gustav auch noch ein Kleinkind ist. „Zu manchen haben wir schon über einen längeren Zeitraum netten Kontakt“, so die Apothekerin. Das seien quasi ihre „Apotheken-Babys“.