Etwas Tolles aus dem Hut zaubern
28.02.2011 | 21:38 Uhr 2011-02-28T21:38:00+0100
Wesel.Auszubildende aus drei Gastronomieberufen traten am Montag bei der Dehoga-Niederrheinmeisterschaft an. Die Küche, das ist Maria Triptraps Terrain. Kein Wunder, denn die heute 21-Jährige ist dort quasi aufgewachsen.
In der Restaurant-Küche ihrer Eltern in Schermbeck sprang Maria schon als kleines Mädchen herum, schnibbelte mal hier etwas und probierte mal dort. Mittlerweile ist sie eine junge Frau, trägt eine professionelle Kochjacke und weiß ganz genau, wie sie welche Gewürze mischen muss, um einen ganz bestimmten Geschmack hinzubekommen. In der Küche des Hotels Hohe Mark zeigte sie gestern, was sie kann.
Kurz nach 20 Uhr stand denn gestern Abend das Ergebnis fest: Die besten Nachwuchsköche kommen in diesem Jahr aus Schermbeck und Marienthal. Niederrheinmeisterin bei den Köchen wurde Maria Triptrap vom Landhotel Voshövel (Schermbeck). Auf Rang zwei kochte und brutzelte sich Lisa Grohnert (ebenfalls Voshövel), Dritter wurde Phillip Terwege (Romantik Hotel Haus Elmer, Marienthal).
Zum dritten Mal in Folge richtete der Dehoga die Meisterschaften im Hotel Hohe Mark in Wesel aus. Wieder stiftete der Handelshof die voll gepackten Warenkörbe und die Pokale. Prüfungsmitglied Ullrich Langhoff (Lippeschlösschen) war voll des Lobes. „Die jungen Leute waren sehr diszipliniert und fantasiereich. Das war in diesem Jahr ein sehr enger Wettbewerb mit super Leistungen.“
Zum mittlerweile 17. Mal traten acht Koch-Azubis, acht werdende Restaurantfachleute und acht zukünftige Hotelfachleute aus den Kreisen Wesel, Kleve und der Stadt Duisburg zum Niederrhein-Wettbewerb des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) an.
Im Hotel Hohe Mark mussten die Kandidaten, die bei einer theoretischen Prüfung im Januar als Beste abgeschnitten hatten, Aufgaben bewältigen, die ihnen auch in ihrem späteren Berufsleben immer wieder begegnen werden. Für die angehenden Hotelfachleute, die „Hofas“ galt es beispielsweise ein Hemd zu bügeln oder einen Knopf anzunähen, Bestecke und Flaschen zu erkennen oder ein fiktives Wochenend-Arrangement für einen Hotel-Aufenthalt zu erstellen.
Tische richtig eindecken oder Wein dekantieren stand auf der Aufgabenliste, die die Restaurantfachleute zu bewältigen hatten. Sie mussten gemeinsam mit den Hotelfachleuten außerdem den Speisesaal vorbereiten und am Abend 64 geladenen Gästen das Vier-Gänge-Menü servieren, das die Koch-Azubis gezaubert hatten.
Warenkorb
mit Zutaten
Dass das keine leichte Aufgabe war, merkten die fünf jungen Männer und drei jungen Frauen recht schnell. Morgens bekam jeder von ihnen einen Warenkorb mit einer Liste an Zutaten, die für das Menü zur Verfügung standen. Daraus galt es, eine Vorspeisenplatte für zehn Personen, eine Suppe, gefülltes Schweinefilet oder Medaillons mit Gemüse- und Kartoffelbeilage sowie ein Dessert zu bereiten.
„Fünf bis zehn Minuten, länger hatten wir nicht, um einen Plan zu entwickeln“, sagte Phillip Terwege, während er Kräuter hackte. In der kurzen Zeit fielen dem 21-Jährigen, der seine Ausbildung im Marienthaler Haus Elmer macht kreative Leckereien ein, wie etwa eine Karottencremesuppe mit Vanille. Ganz schön nervös sei er zu Anfang gewesen, gab Phillip zu, der nach seinem Abitur keine Lust auf ein Studium hatte und sich deshalb entschied, sein Hobby Kochen zum Beruf zu machen.
Maria Triptrap wusste als Gastronomen-Tochter im Prinzip ja schon vor Beginn ihrer Ausbildung im Landhotel Voshövel, was auf sie zukommen würde. „Man muss einen Knall haben, um sich diese Arbeitszeiten und diesen Stress freiwillig anzutun“, sagte die 21-Jährige lachend. Ein Bürojob sei für sie aber nicht in Frage gekommen. „Ich brauche Action.“
Davon hatten die Auszubildende im zweiten Lehrjahr und ihre Mitkandidaten gestern wirklich genug. Den ganzen Nachmittag lang wurde geschnibbelt, gerührt, abgeschmeckt, nach Pfeffermühle oder Salzstreuer gerufen und gebrutzelt. „Eine besondere Herausforderung sind meine mit Champignons gefüllten Schweinemedaillons“, sagte Maria Triptrap. „Wie man richtig mit Fleisch umgeht, lernen wir nämlich erst im dritten Lehrjahr.“
Die Jury, bestehend aus Köchen und Gastronomie-Experten, war trotzdem begeistert. „Es waren diesmal wirklich alle gut“, betonte Ullrich Langhoff, Dehoga-Vorsitzender im Kreis Wesel. „ Und das hier ist schwieriger als die IHK-Prüfung“, fügte er hinzu. Bei Letzterer könne man nämlich sein Menü sechs Wochen vorher planen. „Hier muss alles schnell gehen, und man muss aus der Wundertüte an Zutaten etwas Tolles aus dem Hut zaubern. Da sieht man, wer wirklich kochen kann.“
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