Essen auf drei Rädern kommt aus Schermbeck

Gioacchino, Lina und Benedetto Pellerito haben mit dem Apecini ein rollendes kulinarische Mobil.
Gioacchino, Lina und Benedetto Pellerito haben mit dem Apecini ein rollendes kulinarische Mobil.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
  • Das Rezept für die Reisbällchen kommt ganz traditionell von der Großmutter
  • Die Geschäftsidee entstand im Familienkreis beim Arancini-Essen
  • Die Ape ist wesentlich häufiger im Einsatz, als die Macher das geplant hatten

Schermbeck..  Was machen eine Schermbeckerin und ein in Detroit aufgewachsener Sizilianer, die sich bei der Arbeit in einem Hotel im amerikanischen Phoenix kennenlernen? Ist doch klar: Sie ziehen gemeinsam nach Schermbeck, bringen italienisches Lebensgefühl auf drei Rädern mit und verkaufen ihre sizilianische Leibspeise: Arancini, handgerollte frittierte Reisbällchen, die nach altem Familienrezept gefüllt sind.

Lina Pellerito balanciert den 16 Monate alten Sohn Gioacchino auf ihren Knien und lacht. „Na ja, so ganz geplant war das alles nicht.“ Also, dass sie und ihr Mann Benedetto nach einem Zwischenstopp in Düsseldorf gemeinsam eine familientaugliche Bleibe in Schermbeck gesucht haben, das war kein Zufall.

Ein Herz für die Gastronomie

Aber dass aus der kulinarischen Träumerei der beiden, deren berufliches Herz für die Gastronomie schlägt, tatsächlich Realität wurde – damit hatten sie alle beide nicht gerechnet.

„Das war eigentlich nur ein Spaß“, sagt Benedetto, der seine Gesprächspartner immer wieder mit der eigenwilligen Mischung aus amerikanischem Akzent und italienischem Äußeren überrascht. Das Arancini-Rezept seiner Großmutter hatte er gemeinsam mit Lina für die deutsche Verwandtschaft gekocht. Und weil alle so begeistert waren und feststellten, dass es die berühmten sizilianischen Leckereien hier kaum irgendwo zu kaufen gibt, überlegte die Familie an diesem feuchtfröhlichen Abend, dass die Pelleritos doch eine Geschäftsidee aus den Arancini machen könnten.

„Wenn, dann machen wir das nur stilecht mit einer Ape“, hatte Benedetto damals spontan gesagt. Tja - und als das Paar dann tatsächlich Ausschau nach dem witzigen dreirädrigen Mini-Lieferwagen hielten und ein tolles Retro-Modell fanden, da war es um sie geschehen.

Meet and eat

Seit Mai 2014 touren Lina und Benedetto Pellerito mit ihrem Verkaufsmobil „Apecini“ durch die Gegend. Anfangs hatten beide dazu noch eine volle Stelle. „Wir wollten das nur so nebenbei machen“, sagt die 31-Jährige, die zurzeit noch Elternzeit hat. „Aber in diesem Jahr sind unsere Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen worden.“ Eine Familie ernähren könnten sie mit ihrem kleinen Unternehmen zwar noch nicht, aber kulinarisch läuft die Ape, die sich bergauf auch schon mal mit 20 Stundenkilometern quält, dennoch viel besser als erwartet.

Frisch frittiert

Jeden Donnerstag gibt es von 16 bis 21 Uhr einen fixen Termin auf dem Kölner Rudolfplatz beim Markt „meet and eat“. Gemütlich mit der Ape dorthin können sie allerdings nicht rollen. Denn, um all die Köstlichkeiten zu servieren, brauchen sie einen großen Zweitwagen samt Anhänger.

Zwei gläserne Kühlschränke, Fritteusen, die große italienische Espressomaschine und die vielen Zutaten müssen genauso transportiert werden wie die schmucke Ape, die eine halbe Ewigkeit bis Köln brauchen würde. Vor Ort gibt es dann nicht nur die frisch frittierten Arancini mit den unterschiedlichsten Füllungen (von Großmutters Ragu-Rezept über Chianti Rind bis zu süßem Erdbeer-Mascarpone), sondern auch jede Menge italienische Kaffeespezialitäten, Weine, Mixgetränke und Kuchen.

In Schermbeck ist Apecini bei Veranstaltungen wie dem Dämmers(c)hoppen der Werbegemeinschaft oder der Schönen Alten Weihnachtszeit mittlerweile Stammgast, in Wesel waren sie in diesem Jahr beim Eselfest dabei, im November steht bisher ein Markt in Coesfeld und einer auf Schloss Burg an der Wupper an. „Wir sind an den verschiedensten Orten“, sagt Lina Pellerito. Aber so lange der jüngste Deutschamerikanersizilianer noch so klein ist, kann die Ape nur begrenzt touren.

„Viel größer wollen wir mit unserem kleinen Unternehmen aktuell nicht werden.“ Was nicht heißt, dass sich Lina und Benedetto nicht über neue Aufträge freuen. Und die Familie auch: Denn, was vom Markttag übrig bleibt, darf die Verwandtschaft verspeisen.