Erinnern hilft bei der Versöhnung

Foto: FUNKE Foto Services

Wesel..  84 Stolpersteine erinnern mittlerweile in der Hansestadt an jüdische Weseler Mitbürger, die durch die Nationalsozialisten verfolgt oder ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte gestern elf neue Steine, etwa 70 weitere sollen in den kommenden Jahren noch folgen. Mehrere Weseler Schulen hatten Patenschaften für Stolpersteine übernommen – und sich auch an der Finanzierung beteiligt.

Schüler der Gemeinschafts-Hauptschule Martini sammelten beispielsweise in Eigeninitiative durch eine Brötchenaktion in ihrer Schule das Geld für ihren Stein, der an die Familie Leyens erinnert. „Der Religionskurs der Stufe 10 hat sich in den letzten Monaten mit dem Thema Nationalsozialismus, Widerstand und unbequeme Christen beschäftigt“, berichtet Lehrerin Sina Mauracher. Ihre 16-jährige Schülerin Charline Nitsche ergänzt: „Es war sehr interessant, etwas über das Schicksal einer Familie aus unserer Stadt zu erfahren.“ Sie und einige Mitschüler trugen während der Verlegung Am Nordglacis 7 vor, dass Familie Leyens in Wesel nicht vergessen sei. Speziell das Leben von Helene (genannt „Leni“) Leyens bewegte die Schüler sehr – unter anderem, weil deren Schicksal mit dem von Anne Frank verbunden war. „Lenis Familie galt als beliebt und geachtet. Ihr soziales Engagement war ungewöhnlich groß. Das Textile Kaufhaus Leyens und Levenbach war das größte Kaufhaus in Wesel“, trug Charline Nitsche vor dem ehemaligen Wohnsitz der Familie vor.

Elternhaus verwüstet

Die Klasse 9d des Konrad-Duden-Gymnasiums ging speziell auf das Leben von Erich Leyens ein, dessen Elternhaus in der Reichspogromnacht von der SA verwüstet wurde. Insgesamt wurden am Nordglacis fünf Stolpersteine würdevoll verlegt – drei waren es in der Heresbachstraße 29. Dort hatten Zwölftklässler der Gesamtschule am Lauerhaas die Patenschaft für einen Stein übernommen und gedachten der Familie Marchand.

In der Johann-Sigismund-Straße 2 liegen jetzt zwei Steine für das Ehepaar Oppenheimer. „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung“, zitierten Schüler des Andreas-Vesalius-Gymnasiums ein altes jüdisches Sprichwort. Sie sind Paten für den Stein von Grete Oppenheimer, die wegen der Nazi-Gesetze 1939 den jüdischen Vornamen Sarah annehmen musste. „Ab 1920-21 besuchte sie die Höhere Töchterschule – unsere Vorgängerschule“, so die Gymnasiasten.

Der vorerst letzte Stolperstein wurde in der Johann-Sigismund-Straße 22 für den angesehenen Rechtsanwalt und Notar Walter Bongartz verlegt. „Für diesen Stein wird noch ein Spender gesucht“, erläuterte Wesels Bibliothekarin Doris Rulofs-Terfurth, die im Stadtarchiv tätig ist.