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Chormusik

Ergreifender Klang im Lutherhaus

14.03.2016 | 17:09 Uhr
Ergreifender Klang im Lutherhaus
Ernst und Heiter lautete der Titel des Benefizkonzertes im Lutherhaus.Foto: Gerd Hermann

Wesel.   Musikalischer Abschluss der Woche der Brüderlichkeit mit Stücken aus jüdischer und christlicher Tradition

Solch einen besonderen musikalischen Abend hat Wesel in seiner bisher 775 jährigen Geschichte wohl nur sehr selten erlebt. Drei gesellschaftliche Institutionen der Hansestadt hatten ins Lutherhaus eingeladen, um am Abschlusstag der Woche der Brüderlichkeit verschiedenen musikalischen Werken aus jüdischer und christlicher Feder zu lauschen. Der weit über 40 Sängerinnen und Sänger umfassende Chor des Städtischen Musikvereins unter der Leitung von Hans-Günther Bothe prägte zusammen mit den Solisten Katharina Borsch (Sopran) und Kenneth Duryea (Klavier) den ersten und ernsten Konzertteil. „Der zweite Teil des Abend ist der heitere, leichtere“, beschrieb Wolfgang Jung vom Lions-Club die Werkfolge. Chor und Solistin sangen bei „Mirjams Siegesgesang“ (Franz Schubert 1797 - 1828) voller Inbrunst. Verschiedene hebräische Weisen (Louis Lewandowski 1821 - 1894) spielte Kenneth Duryea auf dem Flügel und mit fünf Liedern für Sopran und Klavier von Alexander von Zemlinsky (1871 – 1942), deren Texte man dank eines Programmheftchens mitlesen konnte, neigte sich der erste Konzertteil der Pause.

Im Publikum begrüßte Jung Superintendent Thomas Brödenfeld, Gemeindeleiter Stefan Sühling und Dirk Meyer von der Telefonseelsorge. „Alle Eintrittsgelder und auch die Einnahmen aus der Pausen-Gastro gehen komplett an die Telefonseelsorge“, erklärte Jung und bat das Publikum, die aufgestellten Spendendosen zu nutzen.

Die Erinnerung an jüdische Kultur in Deutschland und in Wesel war wichtiger Leitgedanke der drei Konzertveranstalter, zu denen auch der Jüdisch-Christliche Freundeskreis zählte. Man erfuhr, dass neben Büchern und Bildern auch Komponisten und deren Musik von den Nationalsozialisten mit dem Stigma der Entartung belegt worden waren. Tonkünstler wie Kurt Weil, Friedrich Holländer und viele andere Komponisten waren betroffen. Violine und Klavier standen im eher heiteren zweiten Teil des Benefizabends, nahegehend und emotional gespielt vom „Duo Topas“ – Boris Gurevich (Klavier) und Tonio Schibel – im Mittelpunkt. Sie gaben weltbekannten Melodien von großen jüdischen und christlichen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts ergreifenden Klang.

Dramatische Liebeserklärung

Und so freuten sich die fast 300 Konzertgäste neben Werken von Ernest Bloch, Joel Engel, Max Bruch und Arnold Schönberg über „Auf Flügel des Gesanges“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, das „Adagietto“ aus Gustav Mahlers 5. Symphonie, über John Williams „Thema aus Schindlers Liste“ und über die dramatische Liebeserklärung „Somewhere“ der Maria aus dem Musical „West Side Story“ von Leonard Berstein. Passender als mit „Summertime“ und „It ain’t necessarily so“ aus der George Gershwin Oper „Porgy & Bess“ hätte dieser musikalische Themenabend nicht enden können.

Michael Mrosek

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2016-03-14 17:09
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