Er war der Mann fürs Sahnehäubchen

Wesel..  Ein Dessert geht immer. Als Sahnehäubchen zum Abschluss des köstlichen Menüs. Man gönnt sich ja bekanntlich sonst nichts. Heinz Klemm hat die Gäste des „Tannenhäuschens“ auf diese Art und Weise verwöhnt. 45 Jahre lang. Jetzt geht er in den Ruhestand. Aber keine Sorge: Seine Nachfolgerin versüßt das Leben weiterhin.

Familie Hetzel und ein gutes Dutzend Mitarbeiter verabschiedeten den 62-jährigen Weseler, der seine Ausbildung zum Bäcker bei Dieter Hertrampf absolvierte, dann eine weitere zum Koch im „Tannenhäuschen“ folgen ließ. Danach bekochte er die Soldaten in Emmerich, bildete sich im Wittgensteiner Land weiter und wurde 1975 an alter Stelle in der Küche des Waldhotels Chefpatissier und Gardemanger – Konditor und Koch der „Kalten Küche“.

Gerne wäre er Sternekoch geworden, sagt Heinz Klemm. Aber wie das so ist: Dann hat man Familie und widmet ihr die wenige verbleibende Zeit. Und so vergehen die Jahre. So gesehen habe er es schon ganz richtig gemacht, meint er.

Und jetzt wird nachgeholt, was stets nicht ging – oder nur mit Einschränkungen. „Heinz kommt später“ war bei Unternehmungen ein geflügelter Satz seiner Frau Marlis. Theater, Musical, Reisen stehen jetzt statt Kuchen und bayerischer Creme auf der persönlichen Tageskarte. Vielleicht will Heinz Klemm sein ehrenamtliches Engagement beim DRK erweitern. Und reisen möchte er. „Mein großer Traum ist mit Delphinen zu schwimmen“, sagt der Blumenkamper, der als Reiter auch „einen Draht zu Pferden“ hat.

Das verbindet ihn mit seiner Nachfolgerin Naomi Berns. Die kommt aus Rheinberg, ist 22 Jahre jung und schon Konditor-Meisterin.

Per Leierkasten begleiteten die Hetzels ihre Dank-Verse und ihre Glückwünsche für Heinz Klemm, dem sein einstiger Lehrherr eine tolle Schoko-Nuss-Torte spendierte. Ganz entsagt der 62-Jährige in seinem neuen Leben der süßen Versuchung nicht: „Abends brauche ich Schokolade“, gesteht er.