Endstation Hauptbahnhof

Aus dem Osterausflug zum alten Wasserwerk wurde diesmal nichts: die Gleise dorthin wurden nicht freigegeben.
Aus dem Osterausflug zum alten Wasserwerk wurde diesmal nichts: die Gleise dorthin wurden nicht freigegeben.
Foto: Foto: gerd Hermann Gall
Was wir bereits wissen
Wenn es schlecht läuft, dann können die Nikolausfahrten sowie die Ausflugsangebote des Vereins Historischer Schienenverkehr Wesel zu Pfingsten und Ostern nur noch bis zum Bahnhof stattfinden.

Wesel..  Schon am Osterwochenende war etwas anders. Endstation Hauptbahnhof, hieß es überraschend beim Historischen Schienenverkehr. Der Nostalgiezug fuhr weder das alte Wasserwerk, noch den Bahnsteig in der Hohen Mark an. Es gibt ein juristisches Problem, welches das Ende des Vereins bedeuten könnte.

Das Unternehmen Amprion, dem die Gleise bis zum Obrighovener Umspannwerk gehören, genehmigt derzeit deren Nutzung nicht mehr. Grund: Das Eisenbahnbundesamt und die Bundesnetzagentur prüfen gerade, ob die Gleise, wenn Amprion die Nutzung durch die Vereine zulässt, öffentlich werden. „Falls das so ist, dürften auch andere Unternehmen sie nutzen“, sagt Amprion­sprecher Jörg Weber. Oder zumindest beantragen, sie zu nutzen. „Sollte das so sein, können die Vereine die Gleise nicht mehr befahren. Der Aufwand für Amprion wäre zu groß“, erläutert Weber. Zum Weseler Verein Historischer Schienenverkehr habe man ein sehr gutes Verhältnis. Doch das würde am Ende auch nicht helfen. Die von Amprion stets gewarteten Gleise würden nur noch dem Transport von Trafos dienen dürfen.

Für die Eisenbahn-Liebhaber käme das einer Katastrophe nahe. Der Verein hat Schulden, nun brechen die Einnahmen weg. Endstation Hauptbahnhof bedeutet, dass einerseits die Tickets preiswerter sind, andererseits auch das Interesse zurückgeht. Und: „Wir müssen im Bahnhof umsetzen und umkehren können“, sagt Vereinsvorsitzender Klaus Kaitna. Das sei nicht immer möglich, vor allem dann nicht mehr, wenn der Betuwe-Ausbau kommt.

Die vergangenen Jahre waren für die historischen Eisenbahner nicht gut. Wegen der Bauarbeiten war die Hafenbahn-Strecke - sie gehört den Stadtwerken - für zweieinhalb Jahre nur bedingt befahrbar. Heißt: Auch hier gab es weniger Einnahmen. Fällt nun die Strecke nach Obrighoven dauerhaft weg, „bricht uns das das Genick“. Das alte Wasserwerk wäre als Denkmal mit der Eisenbahn nicht mehr anfahrbar.

Mit der Stadt, die eine Bürgschaft für die Grundschulden des von der NRW-Stiftung finanzierten Vereinsgrundstücks am Flugplatz übernommen hat, ist man in Kontakt. „Wir werden uns dieser Tage zusammensetzen“, sagt Kaitna. Auch das Tourismuskonzept, in dem die historischen Waggons ihren Platz haben, würde nicht mehr stimmen. „Dann können wir den historischen Schienenverkehr abhaken“, so Kaitna. Sechs Personenwaggons besitzt der Verein, einen Güterwaggon und eine Diesellok - alle fahrtüchtig. Eigentlich sollte bald die Dampflok wieder flott gemacht werden. 2016 ist sie hundert Jahre alt. „Ich weiß nicht, ob ich angesichts der Lage jemanden dazu motivieren kann.“ Noch gibt es Hoffnung, dass die Behörden ein Einsehen haben.