Ende einer langen Dienstfahrt

Jetzt ist er Bürger ohne Uniform: Bernd Störmer verabschiedet sich in den Ruhestand.
Jetzt ist er Bürger ohne Uniform: Bernd Störmer verabschiedet sich in den Ruhestand.
Foto: Waz FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach mehr als 44 Jahren legt Bernd Störmer aus Hamminkeln die Polizei-Uniform ab. Der 64-Jährige geht in den Ruhestand.

Hamminkeln..  „Ich habe sie immer gerne getragen, aber jetzt ist Schluss“, sagt Bernd Störmer. 44 Jahre und drei Monate lang hat der Hamminkelner die korrekte Dienstkleidung an- und ausgezogen. Zuletzt als Leiter des Verkehrsdienstes der Weseler Kreispolizeibehörde. Nach diesen vielen Jahren mit freiwilliger zweijähriger Verlängerung geht der 64-Jährige nun in den Ruhestand.

Aber so ganz wird er sich auch in den kommenden Jahren nicht vom Polizeidienst trennen können. So behält er seinen Lehrauftrag an der Hochschule für Verwaltung in Duisburg und wird in der Pensionärsarbeit weiter tätig sein. Wie sollte das auch anders gehen, wenn man Zeit seines Lebens eine Arbeit mit einer Hingabe verrichtet hat, zu der man nur fähig ist, wenn man mit seiner Job-Wahl genau das richtige getan hat. Das hat Bernd Störmer, der von sich selbst sagt, in seinem Leben „zwei geniale Entscheidungen“ getroffen zu haben. Die erste: „Meine Frau kennengelernt zu haben.“ 1969 haben sie sich getroffen, seit 1971 sind sie verheiratet. Und so hat seine Frau Bärbel ihn schon begleitet, als er Entscheidung zwei fällte, nämlich „zur Polizei zu gehen“.

Am 1. Oktober 1970 trat er nach der Höheren Handelsschule seinen Dienst in Münster an. Über Wuppertal, Stukenbrock, Voerde, Duisburg und Moers ging es für Störmer 1988 nach Wesel, wo er zunächst als Sachgebietsleiter und dann als Leiter der Hauptwache tätig war, ehe er 1998 die Leitung des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde übernahm.

Video-Motorrad machte Furore

In diese Zeit fiel die Anschaffung eines Video-Motorrades. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte er um solch ein Gefährt gebuhlt, das die Überwachung des Motorradverkehrs auf den niederrheinischen Ausflugsstrecken verbessern sollte. „Damals hatten wir eine ganz schlimme Unfall-Lage mit Motorradfahrern“, erinnert er sich. 2002 bewilligte das Land die Anschaffung und machte die Kreispolizei Wesel damit zur Pilotbehörde - mit landesweit positivem Effekt. „Durch den Einsatz dieses einen Motorrades konnten wir die Unfallgefahr in Marienthal und Gahlen von 2002 auf 2003 um 50 Prozent reduzieren“, sagt Störmer. Mittlerweile sind landesweit 22 Video-Motorräder im Einsatz. Dieser Erfolg sei auch für ihn ein Meilenstein gewesen, sagt Störmer.

Die Sache sprach sich behördenintern herum. Danach arbeitete Bernd Störmer gemeinsam mit Kollegen aus anderen Bundesländern in bundesweiten Arbeitsgruppen, um die Technik in der Verkehrsüberwachung zu verbessern.

Opferbetreuung verbessert

Seit 2002 ist Störmer auch in der Opferbetreuung tätig. Und die sei zu lange sehr problematisch gewesen. So seien früher meist die jungen Kollegen losgeschickt worden, um einer Familie eine Todesnachricht zu überbringen - ohne Erfahrung, ohne das Wissen, wie man in dieser schwierigen Situation vorgehen sollte. Auch er sei als junger Polizist zweimal in dieser Situation gewesen, sagt Störmer. So hatte er jungen Eltern die Nachricht zu überbringen, dass ihr vierjähriges Kind ums Leben gekommen war, als es bei den Großeltern auf der Straße spielte. „Den Weg bis zur eigentlichen Nachricht habe ich bis heute ausgeblendet“, sagt er.

Jahre später, 2002, hat er gemeinsam mit einem Pfarrer ein Konzept zur Opferbetreuung ausgearbeitet, das mittlerweile von mehr als 30 erfahrenen Kollegen umgesetzt wird. Danach bleiben Polizeibeamte heute länger bei den Betroffenen und lassen sie nicht mehr in ihrer Trauer allein - „so lange, wie die Menschen es möchten“. Dafür gebe es keine Routine, aber bis heute viele positive Rückmeldungen.

Dass er als Pensionär Schwierigkeiten mit der Umstellung haben wird, glaubt Bernd Störmer nicht. Schließlich hat er auch so genug zu tun. „Ich gehe nur nicht mehr ins Büro, aber Zeit ohne Ende habe ich nicht.“ Seit Jahren sitzt er für die SPD im Hamminkelner Rat. Und kürzlich hat er als stellvertretender Bürgermeister einem Dingdener zum 90. Geburtstag gratuliert. Diese Dinge mache er immer noch gerne, sagt er.

Ein Familienmensch

Und dann natürlich die Familie: Gerade hat sich das Ehepaar Störmer einen Wohnwagen zugelegt, mit dem es bald in Urlaub fahren möchte - gerne an die Nord- oder Ostsee. Und genauso gerne wieder nach Hause. Seine gesamte Familie, seine Söhne und seine Tochter, leben mit den Enkelkindern im direkten Umfeld, was für den Familienmenschen Störmer sehr wichtig ist: „Ich bin froh, dass die Familie so zusammen ist.“