Eine musikalische Reise in den Osten

Wesel..  Gewaltig, mystisch und geheimnisvoll versprach der Donnerstagabend im Lutherhaus zu werden. Unter der Leitung des aus seiner Schlagersänger-Karriere bekannten Peter Orloff entführte der Schwarzmeer Kosaken-Chor die Zuschauer in die ferne Welt des Baltikums und Russlands. „Heute Abend wird ein wunderbares und wahrhaft unvergessliches Konzerterlebnis für Sie und für uns werden“, kündigte Peter Orloff zu Beginn an.

Er sollte Recht behalten. Russische Volkslieder wie „Glorreicher Baikal“ und „Abendglocken“ weckten Sehnsuchtsgefühle und luden zu einer Reise in eine ferne Welt ein. Die fremden Klänge der traditionellen Stücke gepaart mit der gesanglichen Stärke des Ensembles sorgten für Gänsehautgefühl im Zuschauerraum. Besondere Überraschung rief Igor Ischak hervor, der als männlicher Sopran beim „Ave Maria“ von Franz Schubert brillierte. Neben seiner Tätigkeit im Schwarzmeer Kosaken-Chor ist er Solist an der Oper in Kiew.

Ein weiteres stimmliches Highlight setzte Fjodor Kunitsky, der mit seiner Darbietung der Arie „Nessun dorma“ von Giacomo Puccini für anhaltenden Applaus und stehende Ovationen sorgte. Der Tenor schaffte es mit seiner kraftvollen klaren Stimme das Gefühl von großer Oper in das vollbesetzte Lutherhaus zu bringen.

„Wir verstehen uns alle wunderbar“

Dass die unterschiedlichen Stimmlagen der Künstler sehr gut miteinander harmonierten, zeigte sich vor allem bei gemeinsamen Stücken, wie dem „Gefangenenchor“ aus der Oper „Nabucco“ von Giuseppe Verdi. Die einheitlich in schwarz gekleideten Männer, mit den Händen an den Gürtelschnallen und ernsten Mienen, zeigten so, dass sie auch Stücke, die nicht typisch für einen Kosakenchor sind, beherrschen. Musikalisch wurden sie dabei von traditionell osteuropäischen Instrumenten begleitet: einem Bajan, eine Form des Knopfakkordeons, und zwei Zupfinstrumenten, der Bassbalalaika und der Domra.

„Wir zeigen, dass die Musik schon heute weiter ist als die Politik“, sagt Orloff über seinen Chor. Dieser setzt sich aus Russen und Ukrainern zusammen. „Wir verstehen uns alle wunderbar und musizieren mit großer Freude zusammen – unabhängig unserer Nationalität.“ Der Spaß und die gemeinsame Leidenschaft an der Musik war den Männern und der einen Frau im Ensemble an der Domra anzumerken. Zwinkern und freundliches auf die Schulter klopfen rundeten ihre mitreißende Darbietung ab.