Eine beeindruckende Atmosphäre

Foto: Johann Ridder WAZ FotoPool

Wesel..  „Ganz selten treffen Zeit, Ort und das musikalische Programm so auf einen Punkt zusammen wie heute Abend“, erklärte Domkapitular Stefan Sühling in seiner Begrüßung zum Chor- und Instrumentalkonzert in Gedenken an die Zerstörung Wesels vor 70 Jahren. Gestaltet wurde das Konzert in der Fusternberger Kirche „Zu den heiligen Engeln“ am Sonntagabend auf Einladung der Kirchengemeinde St. Nikolaus vom Collegium vocale an Sankt Mariä Himmelfahrt. Außerdem wirkten Mezzosopranistin Silke Weisheit, Solo-Cellist Fulbert Slenczka, Ulrich Ingenbold (Querflöte), Beate Florenz-Reul (Violine) und Godehard Reul (Fagott) mit. Das Thema des Abends lautete „… denn wir werden alle verwandelt werden.“

Bei Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Heinrich Isaac, vom Chor a-cappella vorgetragen, wurde gleich zu Beginn deutlich, dass die rund 200 Gäste eine höchst anspruchsvolle Darbietung erwartete. Das breite musikalische Angebot reichte von gregorianischen Chorälen über Auszüge aus dem Hochbarock bis in die Neuzeit.

Ein erster Höhepunkt war die musikalische Umsetzung des Friedrich- Nietzsche-Gedichts „Wenn Krähen schrei’n“ durch Willem Winschuh. In der sehr atmosphärischen Vertonung griff der Chorgesang das Vorspiel auf und reichte es wie eine sanfte Woge an Silke Weisheit weiter, die das Thema mit ihrem klaren Mezzosopran aufnahm und auf bemerkenswerte Weise die Dramaturgie des Textes unterstrich. Cello und dezentes Querflöte-Spiel vollendeten das Ganze zu einem Hörgenuss.

„Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ erwies sich als gelungenes Zusammenspiel zwischen Mezzosopran, Querflöte und Orgel. Bombenangriffe, marschierende Soldaten und die Schreie verzweifelter Menschen – Willem Winschuh, Silke Weisheit und Ulrich Ingenbold ließen mit ihrer Interpretation des Psalms 130 höchst eindrucksvolle Bilder entstehen. Die anschließende Lesung von Pfarrer Joachim Wolff (Epheser 6) wurde von Silke Weisheit mit leisem Gesang untermalt und passte hervorragend in das Gesamtgefüge der Veranstaltung.

Nach der Darbietung weiterer Kompositionen von Willem Winschuh, Georg Neumark und Felix Mendelssohn-Bartholdy erhielten die Akteure einen lautstarken Schlussapplaus. Besonders gefreut haben dürfte sich die Hospizinitiative Wesel, für den am Ende eine Sammlung stattfand.

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