Einblicke ins Soldatenleben

Autsch! Gestaunt wurde über die Vorführungen im militärischen Nahkampf.
Autsch! Gestaunt wurde über die Vorführungen im militärischen Nahkampf.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mehr als 5000 Besucher kamen zum Tag der offen Tür in die Schill-Kaserne in Wesel.

Wesel.. 50 Jahre Schill-Kaserne und fünf Jahre Nato in Wesel, dieses Doppeljubiläum feierten die 350 stationierten Soldaten gestern mit einem „Open Day“. Schon mittags wurden Parkplätze auf dem weitläufigen Kasernengelände Mangelware, insgesamt kamen trotz Regenschauern über 5000 Besucher.

Die Schill-Kaserne ist in vielerlei Hinsicht einzigartig, sie ist nicht nur eine von nur drei Fernmeldeeinheiten im gesamten NATO Bereich, sondern wartet auch mit einer tierischen Besonderheit auf. „Wir sind die einzige Kaserne, die eine Greifvogel-Station beherbergt“ erklärt Major Sven Vieira Martins. Die war allerdings nicht der Grund für den Andrang, sondern vielmehr die umfangreichen Vorführungen und Ausstellungen. Wann hat man schon die Gelegenheit, mit Nachtsichtgeräten ausgestattet durch einen stockdunklen Keller voller Hindernisse zu laufen? Neben den sehenswerten Diensthunde-Vorführungen der Kreispolizei lockte vor allem die Darbietungen mit dem Titel „Militärischer Nahkampf und Überwinden von Hindernissen“ zahlreiche Zuschauer an. Unterstützt von Pyrotechnik wurden vermummte Gestalten von Soldaten über Hindernisse wie die so genannte Eskaladierwand, kriechend durch „Spanische Reiter“ und über die „Hühnerleiter“, die eine Hausruine simulieren soll, verfolgt.

Was ist eine „Dackelgarage“?

Eine Übung, die für den durchschnittlich trainierten Zuschauer ein Ding der Unmöglichkeit darstellt, erst Recht, wenn man einen Blick auf die Ausrüstung wirft. „Alleine die schusssichere Weste wiegt 20 Kilogramm, dazu kommen die Uniform und das Gewehr“, erklärt Hauptmann Ralf Lücking. Der 45-Jährige legt Wert darauf, dass die Marterstrecke keineswegs den Soldaten in der Grundausbildung vorbehalten ist: „Ich gehe regelmäßig dadurch. Nach einer Stunde bin ich durchgeschwitzt und verfluche noch am nächsten Tag die Frau Feldwebel. Eugenia Lindt versteht die Aufregung nicht: „Ich gehe selber durch die Strecke. Was ich von den Soldaten verlange, muss ich auch vormachen.“

Karriereberater Manfred Nöthling zieht diesen Teil des Soldatenalltages nicht als Argument heran, um dem Nachwuchs das Leben in der Kaserne schmackhaft zu machen. Das braucht er auch gar nicht, bietet sein Arbeitgeber doch eine Vielzahl hochwertiger Ausbildungen in fast allen Sparten des gewerblichen und kaufmännischen Bereichs an. Nach 13 Jahren müssen zwar die meisten wieder gehen, dann aber oft mit einem Meisterbrief und Folgeunterstützung durch die Bundeswehr.

Eines stellt Nöthling aber klar: „Eine Grundausbildung müssen alle machen, denn bei uns ist jeder ein Soldat.“ Dass deren Alltag, vor allem während eines Manövers, meilenweit von der häuslichen Komfortzone entfernt ist, zeigte die Ausstellung „Soldaten im Feld“. Um sicher vor Kälte, Wind und dem Feind zu sein, muss für das kleine Zweimannzelt ein 80 Zentimeter tiefes Loch ausgehoben werden. Beim Anblick der Unterkunft wird deutlich, warum die Soldaten sie „Dackelgarage“ nennen.

Neben den eher martialischen Dingen zeigten sich die Soldaten im Rahmen einer Modenschau von der schönen Seite. Davon profitierend, dass Soldaten aus zehn Nationen in der Schill-Kaserne ihren Dienst verrichten, ist die Auswahl an Nato-Uniformen in den Spinden groß. Neben dem gewöhnlichen olivgrünen „Battle-Dress“ und diversen Dienstanzügen fanden besonders die britischen Gardeanzüge die Beachtung der überwiegend weiblichen Gäste.

Den größten Andrang verzeichnete die Bundeswehrfahrschule Aachen. Kein Wunder, denn hier durfte jeder ab 16 Jahren ans Steuer eines Lkw und diesen im Beisein eines Fahrlehrers um den Block fahren. „Im Prinzip fährt der sich wie ein Pkw, er ist nur länger und breiter“, beruhigt Fahrlehrer Marco Weiler. Diese Erfahrung hat der 19-jährige Tobias Kremer gemacht: „In der Stadt würde ich den nicht fahren, da müsste die Straße zehn Meter breit sein.“