„Ein wunderbarer Ort der Verführung“

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Wesel..  „Ich freue mich sehr, dass vor allem so viele Ehemalige gekommen sind“, sagte Wolfgang Berg, Leiter der Stadtbücherei, beim Festakt zu deren 40-jährigem Bestehen im Centrum an der Ritterstraße. Das traf unter anderen auf Ingrid Haubitz zu, eine Mitarbeiterin der ersten Stunde 1975. „Beim Umzug mussten wir damals alles selbst ein- und wieder auspacken - das war schon eine ganz schöne Schufterei“, erinnerte sie sich beim Betrachten der kleinen Jubiläums-Ausstellung. Die frühere Bibliothekschefin Hanni Bröckerhoff, die im November 1946 in einer Baracke an der Gelißstraße mit zurückgegebenen und gespendeten Büchern die Ausleihe wieder begann, „wäre alleine ein ganzes Buch wert“, meinte sie.

Westkamp: Unverzichtbar

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp ließ die wechselvolle Geschichte der Stadtbücherei seit der Erstgründung 1925 am Großen Markt über den Wechsel in die alte Komturei 1934, die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, die Umzüge in die Friedenstraße, ans Mathena-Kreuz und an die Esplanade bis zur Rückkehr an den alten Standort von 1934 Revue passieren. „Sie sind stets am Puls der Zeit geblieben, was sich die Leser wünschen und wollen“, dankte sie Berg und seinem Team. Die Bücherei in Wesel verbinde Kultur, Bildung und Soziales, vermittele Schlüsselkompetenzen, sei Treffpunkt und „schlicht unverzichtbar“.

Die Freude am Lesen sei trotz des gesellschaftlichen Wandels mit Digitalisierung und Informationsflut ungebrochen.

Der SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzender des Weseler Ausschusses für Kultur und Sport, Norbert Meesters, outete sich als langjähriger Fan der Bücherei seit Esplanade-Zeiten, zeigte seinen Ausleihausweis und gestand: „Da sind sicher Mahngebühren drauf.“ Das Buch habe stets die Mächtigen geärgert, habe zum Nachdenken angeregt. Die Bücherei sei ein „wunderbarer Ort der Verführung“. In Anlehnung an James Russell Lowells Satz „Bücher sind Bienen, die lebenzeugenden Blütenstaub von einem Geist zum andern tragen“ verglich Meesters die Büchereimitarbeiter mit „Imkern, die für den Wissenshonig sorgen.“ Er regte an, den Bestand mit E-books zu erweitern.

Lesung mit Wesel-Tatorten

Danach sorgte das Autorenduo Thomas Hesse/Renate Wirth für den humorvollen Part der Feierstunde. Die beiden hatten aus ihren Krimis typische Wesel-Tatorte und Szenen herausgesucht – ob nun bei der missglückten Leichenentsorgung am Friedhof am Nordglacis („Die Füchse“), der Befreiung einer entführten Ärztin in Wesel durch den Kater „Schimanski“ nahe des Minuit-Denkmals oder beim Mord an einer Frau durch Spinnen in der Tiefgarage am Großen Markt.

Für ein deutsch-niederländisches Buchprojekt habe das Autoren-Duo mal in der Weseler Stadtbücherei recherchiert, unterstrich Hesse die Bedeutung der Einrichtung. Und er ermahnte die Politik: „Sparen Sie die Bücherei nicht kaputt.“