Ein Traum in Rosa für fünf Euro

Moderator Klaus-Peter Roelvinck (links) hatte bei der Auktion flotte Sprüche auf den Lippen. 
Moderator Klaus-Peter Roelvinck (links) hatte bei der Auktion flotte Sprüche auf den Lippen. 
Foto: FUNKE Foto Services
Zum ersten, zum zweiten – und zum dritten! Die Versteigerung gebrauchter Drahtesel war der Renner beim 6. Weseler Fahrradaktionstag

Wesel..  Zahlreiche Zweiradfans strömten am Samstag in die Weseler Innenstadt. Denn der sechste Fahrradaktionstag in der Fußgängerzone wartete mit einem umfangreichen Angebot an verschiedenen Ständen auf: Vom Kartenmaterial für die nächste Tour, über diverses Zubehör bis hin zum günstigen Gebrauchten war hier alles zu bekommen.

Publikumsmagnet war auch in diesem Jahr die Fundradversteigerung auf der Bühne vor dem Kaufhof. Mit Witz und Charme präsentierte Moderator Peter Roelvink die herrenlosen Drahtesel, die hier für wenig Geld den Besitzer wechselten – vom klassischen Hollandrad bis hin zum stylischen Mountainbike. Sein Trick dabei: Wenn keiner bietet, erst mal mit dem Preis herunter gehen. So wurde gleich das erste Modell, ein rosafarbenes Mädchenrad mit leicht eingerosteter Kette, für nur fünf Euro versteigert; ein schlichtes, blaues Herrenrad mit 21-Gängen ging für zehn Euro weg.

Von Autofahrern weggehupt

„Wenn Sie ein Fahrrad gesehen haben, das Sie unbedingt haben wollen – das kriegen Sie eh nicht, das wollen dann 20 andere auch haben“, motivierte Moderator Roelvink die Zuschauer zu höheren Geboten, und von da an waren die Weseler vom Auktionsfieber gepackt. Schon das nächste Rad, ein schwarzes Hollandrad, spülte 85 Euro in die Stadtkasse und bereits nach der ersten Versteigerungsrunde, hatte sich das Feld verfügbarer Fahrräder merklich gelichtet.

Auch am Stand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC), gab es eine kleine Auswahl Gebrauchträder. Privatleute konnten hier ihre Räder mit Preisvorschlag einstellen, während der Verein den Verkauf übernahm.

Primär jedoch wollten Ortsgruppensprecherin Renate Müller und ihre Vereinskameraden neue Mitglieder gewinnen und über ihre Arbeit informieren: Neben geführten Radtouren, die der Verein anbietet, und Erwachsenen-Radfahrschulen, die vor allem älteren Menschen, die länger nicht gefahren sind, neue Sicherheit geben sollen, setzen sich die rund 170 Mitglieder auch für die Rechte der Radler ein.

Denn obwohl Fahrradfahren in Wesel eine weit verbreitete Art der Fortbewegung ist, werden Radfahrer von Autofahrern häufig nicht als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrgenommen. „Seit dem die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben ist, wird man auf den Straßen weggehupt“, erläuterte die Ortsgruppensprecherin. Dabei ist das Radeln auf der Straße an manchen Stellen sogar sicherer als auf dem Radweg: „Auf der Straße werden Sie wahrgenommen. Da sind Sie im Blickfeld der Autofahrer.“

Unter den verschiedenen Fahrradhändlern, die an ihren Ständen neueste Modelle präsentierten, fiel einer besonders auf: Egon Feldkamp war am Stand der Firma Roll-Tech mit einer kleinen Auswahl an Sonderfahrrädern vertreten. Sie sehen zwar etwas anders aus als das klassische Fahrrad – vor allem deshalb, weil viele der Modelle gleich drei Räder haben – bieten jedoch älteren oder gehandicapten Menschen, die Probleme beim Auf- oder Absteigen haben, ein sicheres Fahrgefühl. So gab es hier Liegeräder, Räder mit extra tief angebrachten Pedalen und sogar ein Tandem, das dem Vordermann die Liegerad-Position ermöglicht, während der Hintermann gewohnt gerade sitzen kann.

Wer sich außerdem nicht auf pure Muskelkraft verlassen will, für den gibt es diese Räder auch mit unterstützendem Elektromotor. Ein allgemeiner Trend, der nicht nur bei den Sondermodellen, sondern auch bei den „normalen“ Fahrrädern, immer beliebter wird.