Ein tödliches Abenteuer

Blick in die Ausstellung. Auf der Karte wird ein zehnminütiger Film über den Krieg am Niederrhein gezeigt.
Blick in die Ausstellung. Auf der Karte wird ein zehnminütiger Film über den Krieg am Niederrhein gezeigt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Ausstellung „Soldiers“ vereint im Centrum in Wesel deutsche und alliierte Soldatenberichte. Eine Schau des Befreiungsmuseums Groesbeek.

Wesel.. „Ich ging zur Armee, weil meine Freunde das auch taten. Wir dachten, dass es ein Abenteuer war. Wir wuchsen mit Cowboyfilmen auf.“ Es war ein unbekannter Soldat der alliierten Streitkräfte, der hier berichtet. Wie schnell es dann vorbei gewesen ist, mit den Träumen und romantischen Vorstellungen, liest man an anderer Stelle. Ein deutscher Soldat versucht, den Horror der Kriegsrealität in Worte zu fassen: „Als ich zum ersten Mal einen Toten sah, war der Schock enorm. Eine blutige verstümmelte Leiche, die kurz zuvor ein lebendiger Mensch gewesen ist.“

Es ist schwere Kost, die den Besuchern der Ausstellung „Soldiers. Operation Market Garden und die Rheinlandoffensive“ im Centrum serviert wird. Die Schau, konzipiert vom Befreiungsmuseum Groesbeek, macht bis Ende Juni in Wesel Station, danach zieht sie weiter nach Moers und Xanten. Inhaltlich dreht sie sich um die letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs. Doch diesmal geht es nicht um die Pläne der Mächtigen. Diesmal kommen die Soldaten zu Wort.

Schauplatz ist das niederländisch-deutsche Grenzgebiet 1944 und 1945. Hier starteten innerhalb von nur sechs Monaten die größte Luftlandeoperation des Zweiten Weltkriegs und die größte alliierte Offensive in Nordwesteuropa. Auf 15 Schautafeln kann man nachlesen, wie Soldaten auf beiden Seiten die Kämpfe der Operation Market Garden und der Rheinlandoffensive empfanden. Die Berichte wurden auf deutsch, englisch und niederländisch zusammengefasst, jeweils aus alliierter und aus deutscher Sicht. Es geht um die Ausbildung der Soldaten, um ihre Ängste und Ideale. Wobei dem Beobachter eins auffällt. Auch wenn an verschiedenen Fronten gekämpft wurde - so unterschiedlich sind die Schilderungen nicht.

Begleitend werden Schwarz-Weiß-Fotografien gezeigt. Da sind deutsche Kriegsgefangene, die sich mit erhobenen Händen ergeben. Ein anderes Bild zeigt die Gesichter der Soldaten, die mit 16, 17 Jahren eigentlich noch halbe Kinder sind. Daneben fällt der Blick auf Munitionsberge, aufgestapelt bei der Aufstellung der alliierten Streitkräfte. Sie sollten auch Wesel in Schutt und Asche legen.

Am Ende stehen nackte Zahlen. Bis zu neun Millionen Tote forderte der Krieg allein auf deutscher Seite. Schätzungen gehen von insgesamt 50 Millionen Opfern aus.