Ein spannungsgeladenes Projekt

Ausgeschachtet und betoniert: Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat in der Baugrube das Fundament für einen Tragmast gegossen.
Ausgeschachtet und betoniert: Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat in der Baugrube das Fundament für einen Tragmast gegossen.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Bau der 380-kv-Leitung hat den Kreis Wesel erreicht. Erste Masten sind gegründet. Amprion investiert rund 13 Millionen Euro.

Schermbeck..  „Energieleitungsausbaugesetz“ ist nicht nur ein langer, sondern auch ein abstrakter Begriff. Die bunten Striche auf der Deutschlandkarte, die aus dem 2009 vom Bundestag und Bundesrat verabschiedeten Gesetz resultieren und die Verläufe der Stromtrassen skizzieren, können die millionenschweren Bauprojekte ebenfalls kaum veranschaulichen. Erst konkret wird der gewaltige Versuch, die steigenden Windenergiemengen aus dem Norden nach Süden zu transportieren, bei einer Fahrt über die schmalen Feldwege im Schermbecker Ortsteil Dämmerwald. Die letzten Meter zur Baustelle führen ruckelnd über einst helle Holzdielen, die der Matsch braun verfärbt hat.

Hier am Waldbach, wo die Grenze zwischen den Kreisen Borken und Wesel verläuft, baut der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber Amprion derzeit an der neuen 380-Kilovolt-Höchstspannungsfreileitung und investiert nach eigenen Angaben rund 13 Millionen Euro. Zwischen den Punkten Bredenwinkel und Lackhausen entstehen bis Anfang 2016 auf 11,4 Kilometern 28 neue Masten. Die ersten beiden auf dem Gebiet des Kreises Wesel wurden nun gegründet.

In den vergangenen zwei Wochen schachteten die Amprion-Arbeiter zwei Baugruben aus und betonierten die bis zu 240 Quadratmeter großen Fundamente. In den nächsten Wochen entsteht dort ein 55,5 Meter hoher Abspannmast, wenige hundert Meter weiter ragt demnächst ein Tragmast 68 Meter hoch in den niederrheinischen Himmel.

Parallel dazu demontieren die Experten auf dem Abschnitt zwischen Kreisgrenze und Lackhausen 46 alte, niedrigere Masten der bisherigen 220-Kilovolt-Leitung aus dem Jahr 1928. Zunächst werden dabei die Leiterseile ausgehängt und dann die Träger mit einem Schweißbrenner abgetrennt sowie anschließend in zerkleinerten Stücken abtransportiert. Die neue Höchstspannungsleitung folgt in weiten Teilen der alten Trasse.

„Der Bau läuft wie geplant“, sagt Amprion-Pressesprecher Dr. Andreas Preuß. Bauleiter Ronald Dahl, der mit jeweils zehn Arbeitern aus seiner Gründungs- und Seilkolonne den Netzausbau vor Ort stemmt, sieht bisher ebenfalls keine Probleme: „Nur bei starkem Frost hätten wir nicht betonieren können. Das erhöhte Grundwasser nach Regenfällen pumpen wir ab.“

Gestern montierten die Bauarbeiter den Fuß des ersten Mastes im Kreis Wesel vor, morgen soll er aufgestellt werden. Weitere sechs bis acht Wochen wird es dauern, bis die zwei Masten per Kran aufgestockt werden. Pro Woche ist durchschnittlich geplant, einen Mast zu gründen, damit zu Beginn des neuen Jahres der Lückenschluss in Lackhausen gelingt. „Sobald das Teilstück fertig ist, wird der Strom durch die Kabel fließen“, erklärt Dr. Preuß.

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