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Ein Radfahrkurs für Erwachsene

19.05.2010 | 16:01 Uhr
Ein Radfahrkurs für Erwachsene

Wesel.Die Weseler Ortsgruppe des ADFC stellte ein Radfahrtraining für Erwachsene auf die Beine. 18 Männer und Frauen machten mit. Denn längst nicht jeder hat das Radeln als Kind gelernt.

So ganz überzeugt scheint Ruth Gebromedhin noch nicht von dem, was sie da tut. Unsicher schiebt sie ihr Rad vor sich her. Das Gesicht der 26-Jährigen spricht dabei Bände. Soll ich? Soll ich nicht? Soll ich? Dann fasst sie sich ein Herz. Einmal tief durchatmen, und los geht’s. Ruth Gebromedhin steigt auf - und sie fährt. Noch mit der stützenden Hand von Marlies Hillefeld im Rücken, doch sie fährt Fahrrad.

Was für viele Menschen so selbstverständlich ist, ist für Ruth Gebromedhin mit Unsicherheit verbunden. Denn Radfahren hat die Weselerin als Kind nie gelernt. „Ich habe es einmal versucht, als ich noch klein war“, erinnert sie sich. „Doch ich hatte Angst, hab’ mich nicht wohl gefühlt.“ Seitdem habe sie sich von Drahteseln ferngehalten.

Bis jetzt. Denn nun hat die 26-Jährige sich ihrer Angst gestellt. Gemeinsam mit 17 anderen Jugendlichen und Erwachsenen nahm sie an einem Fahrradtraining des ADFC Wesel teil. Die Teilnehmer des Kurses trafen sich zum Üben auf dem Hof der Grundschule am Holzweg. In drei Stufen näherten sie sich unter der Leitung von Marlies und Friedrich Hillefeld dem Radfahren an.

Erstmal mit dem Roller üben

Als erstes drehten die Jugendlichen und Erwachsenen ihre Runden mit einem luftbereiften Roller. „Um ein Gefühl für das Gleichgewicht zu bekommen“, erklärte Friedrich Hillefeld. Anschließend ging es dann auf ein Laufrad, ein kleines Fahrrad ohne Pedalen. So setzten sich die Teilnehmer hin, mussten aber noch nicht dauerhaft die Füße vom Boden nehmen. Das folgte im dritten Schritt - mit einem richtigen Fahrrad. Marlies und Friedrich Hillefeld standen dabei stützend zur Seite.

Während einige tapfer ihre Runden auf dem Schulhof drehten, zog es andere bereits nach kurzem Üben in die „freie Wildbahn“, also auf die Straße. Gemeinsam mit Friedrich Hillefeld drehten die ganz Mutigen eine Runde durch die Feldmark.

Ruth Gebromedhin blieb lieber noch auf dem sicheren Schulhof. „Ich muss noch ganz schön viel trainieren“, sagt sie. Aber auch wenn das Radfahren bisher für sie noch eher anstrengend als entspannend war, war sie froh, sich endlich getraut zu haben.

Auch Mariana Cristoltan war stolz auf sich selbst. Die 54-Jährige hatte als Kind zwar Radfahren gelernt, war dann aber mit ihren Eltern in eine Großstadt gezogen. „Und dort war man als kleines Mädchen eben nicht mit dem Rad unterwegs“, erinnert sie sich. „Das fanden meine Eltern viel zu gefährlich.“ So stand Marianas Rad viele Jahre lang im Keller, bis auch sie sich nun dazu durchrang, das Fahren wieder zu erlernen. „Alle sind hier am Niederrhein mit dem Fahrrad unterwegs“, sagt sie. „Das wollte ich auch.“

Die 54-Jährige möchte sich auch ein Stück mehr Mobilität ermöglichen. Denn mit dem Auto zu fahren traut sie sich noch weniger, obwohl sie einen Führerschein hat. „Ich habe einfach Angst“, sagt sie. „Aber vielleicht kriege ich das auch noch mal irgendwann hin. Mit dem Radfahren hat es ja nun auch geklappt.“

Gabi Schultze

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