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Ein Prosit auf den Landfrauenlikör

31.12.2010 | 11:00 Uhr
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Ein Prosit auf den Landfrauenlikör
Auch Zitrone muss mit ins Einweckglas, sonst werden die Äpfel braun. Foto: Gerd Hermann

Wesel. Wenn Maria Bauer den dicken Korken aus dem gläsernen Ballon zieht, entfaltet sich sofort ein betörender Duft. Dabei ist der Inhalt noch gar nicht richtig fertig. Ein knappes Jahr Geduld heißt es nun, bis der weihnachtlich-winterliche Walnusslikör genossen werden kann, weiß die Gindericherin. Sie ist nicht nur die Vorsitzende der Landfrauen Ginderich/Menzelen, sondern auch Kreisvorsitzende im Bezirk Moers. Und sie ist mit ihren Kolleginnen mittlerweile Fachfrau für fruchtige Liköre.

Es darf
probiert werden

Seit vier, fünf Jahren wissen das vor allem die Gindericher sehr zu schätzen. Denn hier wird der Landfrauenlikör in allen Variationen einmal im Jahr verkauft. Während der Kirmes Anfang Oktober hat Maria Bauer dort mit ihren beiden Likörexpertinnen Brigitte Vogt (67) und Marianne Lohmann einen Stand. Dann darf probiert und philosophiert und natürlich gekauft werden.

Viele alte
Sorten

Gern werden die edlen Tropfen für den Hausgebrauch genommen, gern aber auch als außergewöhnliches Geschenk und Mitbringsel zur Party oder einer anderen Feier. Schließlich handelt es sich hier um ein Produkt aus der Region. Denn die Früchte, die das Landfrauen-Trio verwendet, sind allesamt auf eigenem Grund und Boden gewachsen und zur besten Erntezeit in die bauchige Flasche oder ins zwei Liter fassende Einweckglas gekommen.

Der Blick aus dem Wohnzimmer von Maria Bauer offenbart eine große Obstwiese, wo alte Bäume ebenso stehen wie junge. Denn es wird regelmäßig nachgepflanzt, wenngleich es sich in der Regel um alte Sorten handelt. Die Äpfel, die Maria Bauer und Brigitte Vogt heute waschen, vierteln und ins große Glas stecken, stammen von dort. Es handelt sich um den Roten Boskop, der schon bald dem Apfellikör sein Aroma liefern wird. Reichlich weißer Kandiszucker muss nun obendrauf, eine Zimtstange hinein und eine in Scheiben geschnittene, unbehandelte Zitrone, damit die Apfelviertel ihre ursprüngliche Farbe behalten und nicht braun werden. Zum guten Schluss wird alles mit Korn aufgegossen. Nun noch der Deckel drauf und ab in den Kochtopf. Nach etwa acht Tagen kann der Apfellikör getrunken werden.

Himbeere und
Holunderblüte

Nicht immer geht es in der Landfrauenküche so gemütlich zu wie jetzt. Denn andere Früchte, wie Beeren und Birnen dürfen nicht gelagert, sondern müssen schnell verarbeitet werden, damit sie nicht verderben. Deshalb ist der Sommer die Hochzeit für die Likörproduktion.

Dabei verwenden die drei kreativen Damen alles, was Garten und Natur zu bieten haben. Neben Apfel, Birne und Walnuss etwa Schlehe, Holunderblüte und -beere, Hagebutte, Mirabelle, Pflaume, rote und schwarze Johannisbeere, Brombeere, Himbeere und Erdbeere. Auch die Jostabeere, eine Kreuzung aus schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere, sowie Tayberry, eine Mischung aus Him- und Brombeere, werden hier zu Likör.

Früher war dies in den Bauernfamilien gang und gäbe. Jetzt erlebt das Ansetzen von Früchten eine Renaissance. Als Grundlage dient dabei ein Buch aus dem Bauernverlag, das schon einige Jahrzehnte alt ist. Doch die Frauen sind auch selbst kreativ und probieren immer wieder gern etwas Neues aus. Je nach Frucht kommt nämlich nicht nur Korn zum Einsatz, auch Kirschwasser und Wodka passen zu manchem Obst prima.

Jedes Jahr fällt die Qualität übrigens nicht gleich aus. Das ist wie beim Wein. Manchmal gibt es eine gute Ernte mit guter Qualität, manchmal nicht. Wenn die Blüten im Frühjahr erfroren sind, können auch die Landfrauen nichts machen. Das war im vergangenen Jahr bei den Pflaumen der Fall.

Und ein verregneter Sommer kann sich schon einmal auf den Geschmack der Früchte auswirken. Doch in der Regel lassen sich die Landfrauenliköre bestens genießen. Und so kommt bei Maria Bauer nicht nur Silvester ein hausgemachter Likör auf den Tisch, sondern deutlich öfter. Auch die Ehemänner sind dem Getränk nicht abgetan. Sowohl Josef Bauer als auch Hans-Theo Vogt mögen das, was ihre Frauen herstellen.

Alt werden die Liköre deshalb nie.

Petra Herzog

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