Ein Platz für Mensch und Tier

Was für ein Blick!  Ulrich Carow, Landrat Ansgar Müller und Mike Rexforth (v.l.) am Montag in der Üfter Mark.
Was für ein Blick! Ulrich Carow, Landrat Ansgar Müller und Mike Rexforth (v.l.) am Montag in der Üfter Mark.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Montag eröffnete der RVR die Wildbeobachtungsplattform an der Sandgrube Boer in Schermbeck.

Schermbeck..  Die ersten Gäste brauchten weder Anmeldung noch Einladung. Sie schauten ganz spontan vorbei: Der Schwarzstorch wurde gesichtet und soll im Kiefernwald ein Nest gebaut haben. Und auch ganz nah ran haben sich die Tiere schon getraut; auf einem Balken des kleinen feinen Häuschen aus Lärchenholz thront die Brutstätte eines Vogels. Alles das ist ganz im Sinne der Erfinder. Wünschten sich doch auch bei der offiziellen Eröffnung der Wildbeobachtungsstation an der Sandgrube Boer alle Mitwirkenden ein harmonisches, dauerhaftes Miteinander von Mensch und Natur. Hier zwischen Üfter, Rüster und Emmelkämper Mark, wo sich Hirsch und Hase gute Nacht sagen, kann ab sofort jeder den Rundblick über Auen und Wälder genießen. Vor allem in der Abenddämmerung lassen sich hier mit ein bisschen Glück Rot- und Schwarzwild, seltene Vögel, Fledermäuse, Frösche und Zauneidechsen beobachten.

Es ist ganz still. Kiefern rauschen, Vögel zwitschern munter in die Eröffnungsreden hinein. Gestern herrschte auf der 45-Quadratmeter-Plattform zwischen Üfter, Rüster und Emmelkämper Mark bereits reges Menschentreiben. Gekommen waren alle Beteiligten, die das Projekts unterstützt hatten, darunter Landrat Ansgar Müller, RVR-Bereichsleiter Ulrich Carow und Schermbecks Bürgermeister Mike Rexforth. Gemeinsam wurde Schermbecks neues Ausflugsziel in Augenschein genommen.

„Orte der Ruhe haben in dieser hektischen Zeit eine besondere Bedeutung“, sagte Landrat Müller, der ein Bienenhotel als Geschenk für die neue Plattform im Auto hatte. „Das ist ein idealer Ort, um Augen und Ohren für die Natur zu öffnen.“ Ursprünglich sollte die Sandgrube Boer zu einer Naturerlebniskuhle mit Wanderwegen und Spielstätten ausgebaut werden. Doch es kam anders. Eine artenschutzrechtliche Prüfung ergab, dass hier streng geschützte Tierarten wie der Ziegenmelker, die Heidelerche oder eben jener Schwarzstorch leben. Der RVR plante um - jetzt bleibt der Mensch im fünf Meter hohen Holzbau dicht dran, aber trotzdem außen vor. Man rechne aber fest mit dem Besuch der Tiere, sagte Ulrich Carow. Wenn die sich einmal an die Menschen gewöhnt hätten, kämen sie auch näher heran - das habe etwa der Hirschpfad gewiesen, den der RVR 2007 in der Üfter Mark eröffnete. Vermutlich würden sich im Holzbau im Laufe der Zeit Fledermäuse und weitere Vögel einnisten.

Carow erinnerte an frühere RVR-Projekte, die von Mensch und Tier gleichermaßen gut angenommen wurden, darunter der Ameisenbarfußpfad und die Wildbrücke. Der wahre Wert solcher Maßnahmen werde sich erst später zeigen, wenn Natur und Mensch noch näher zusammengerückt seien: „Stellen Sie sich mal vor, wie das hier in 50 Jahren aussieht.“