Ein Plan für die Wäldchen im Glacis

Die Glacisanlagen sind die grüne Lunge der Stadt.
Die Glacisanlagen sind die grüne Lunge der Stadt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Hälfte der Bäume ist 40 bis 80 Jahre alt. Da muss sich demnächst etwas tun, um den städtischen Wald zu erhalten. Es gibt einen Betriebsplan.

Wesel..  Wenn in Wesel auf öffentlichen Grünflächen die Säge kreist, dann wird das von den Weselern oftmals nicht gern gesehen. Ein Beispiel von vielen: Als im Frühjahr 2013 nahe der neuen Kindertagesstätte am Ring gleich mehrere Bäume im Nordglacis gefällt wurden, kam es zu massiven Anwohnerprotesten. Am Ende räumten die Verantwortlichen ein, dass es ein Fehler war, die Öffentlichkeit vorher nicht informiert zu haben. Sie gelobten nach heftiger Schelte - auch aus den Reihen der Politik - Besserung.

Ein sensibles Thema

Für mehr Klarheit, was im Weseler Wald - speziell im Glacis - getan werden darf und was nicht, wird demnächst ein neuer Betriebsplan sorgen. Die Firma Niehaus Umwelt-Consulting hat ihn erstellt. Darin zeigt sie auf, wie die momentane Situation ist und stellt eine Perspektive für die nächsten 20 Jahre dar. Ob der Plan am Ende so angenommen wird, soll ausführlich diskutiert werden, heißt es - mit der Forstverwaltung, der Unteren Landschaftsbehörde und den Naturschutzverbänden. Schließlich handelt es sich um ein sehr sensibles Thema.

Die Bestandsaufnahme zeigt, dass es 126,34 Hektar städtische Waldflächen gibt, die zur Forstbetriebsgemeinschaft Rheinaue gehören. Die Stadt Wesel ist dort seit Anfang der 90er Jahre Mitglied, aber auch private Waldbesitzer gehören dazu. Ein Vorteil: Arbeiten im Wald sind kostengünstiger.

Werden Betriebsflächen und Wege von der Weseler Waldfläche abgezogen, ergibt sich ein Waldbestand von 106,5 Hektar, der zu Dreiviertel aus Wirtschaftswald besteht, wobei seitens des städtischen Betriebs ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) von „Nutzwald mit Erholungscharakter“ die Rede ist. Denn natürliche Waldgesellschaften wie in großen Forstbereichen bilden sich in städtischen Wäldchen nicht.

Eichen dominieren

Vor allem Eichen sind hier anzutreffen. Sie nehmen gut 27 Hektar der Fläche ein. Auf weiteren knapp 25 Hektar stehen viele andere Laubbaumarten. Jeweils etwa ein Viertel des Waldbestandes ist zwischen 41 und 60 Jahre und 61 bis 80 Jahre alt. Dass dies auch von Zeit zu Zeit eine Durchforstung beinhaltet, liegt in der Natur der Sache. „Bislang waren wir da eher zurückhaltend“, sagt ASG-Betriebsleiter Ulrich Streich. Doch ab und zu müssten auch mal junge Bäume gefällt werden, damit andere wieder Platz bekommen.

Auch die Ränder des Glacis sind beim ASG ein Thema, zumal häufig unmittelbar angrenzend Privatgrundstücke liegen. Während die einen darauf pochen, dass der Überhang von Zweigen und Ästen weggeschnitten wird, mögen andere gerade das Grün am Rande ihres Gartens. Der ASG, so Ulrich Streich, halte in der Regel einen ein Meter breiten Streifen frei von Bewuchs.

Das Glacis erstreckt sich seit 1890 in einem weiten Bogen um die Innenstadt – bis auf wenige Teile, die mittlerweile bebaut sind. Mit den Jahren ist der kleine naturnahe Wald mitten in der City entstanden. Hier findet man ein kühles Plätzchen im Sommer und kann dabei noch eine Menge entdecken. Den Aronstab zum Beispiel, 40 Vogelarten und natürlich die zahlreichen Brutkästen für Vögel und Fledermäuse.