Ein Plädoyer für die Krähe

Zwei Krähen auf einer Wiese.
Zwei Krähen auf einer Wiese.
Foto: Peter Malzbender

Wesel..  Sie ist mal wieder ins Visier geraten: die Saatkrähe. Am Herzogen- und am Kurfürstenring machen die Tiere, die in Kolonien brüten momentan wieder lautstark auf sich aufmerksam. Und nicht nur das Krächzen der großen schwarzen Vögel nervt so manchen Zeitgenossen, sondern auch, dass es unter den Bäumen alles andere als sauber ist. Das hat die CDU zum Anlass genommen, Bürgermeisterin Ulrike Westkamp um Lösungsvorschläge zu bitten (wir berichteten). Paradox findet das der Kreisvorsitzende des Naturschutzbundes Peter Malzbender. „Es kann doch nicht sein, dass die CDU da wieder auf Stimmenfang geht“, ärgert sich der Vogelexperte.

Büderich war die Ausnahme

Dass der Kot der Krähen Krankheiten verursache, sei einfach aus der Luft gegriffen und nirgendwo belegt. Außerdem seien die Saatkrähen schon vor der neuen Kindertagesstätte am Ring dagewesen.

Karl-Heinz Ortlinghaus und Daniela Staude hätten der Bürgermeisterin eine Aufgabe gegeben, die sie gar nicht erledigen könne. Denn hier greife das Naturschutzgesetz. Und so etwas wie in Büderich, als die Krähennester aus den Bäumen am Markt geschnitten und in der Nähe des Rheins wieder in Astgabelungen gesteckt wurden, werde es in Wesel nicht mehr geben. Der Kreis habe damals sofort betont, dass es sich bei dem „Krähenumzug“ unter fachlicher Begleitung aus den Niederlanden nicht um einen Präzedenzfall handele. Der Platz, auf dem der Wochenmarkt abgehalten wird und der ein Treffpunkt für die Büdericher zu diversen Anlässen ist, sei eine Riesenausnahme gewesen.

Das Problem am Ring bestehe nun einmal zur Brutzeit. Wer sich daran störe, über kleine Zweige und den Vogelkot zu laufen, müsse eben einen anderen Weg nehmen. Die ersten Jungvögel, so schätzt Malzbender, werden in vier Wochen schlüpfen. Zwar bekämen Saatkrähenpaare, die bis zu 20 Jahre alt werden, drei, vier Junge, doch am Ende bleibe oft nur ein Vogel übrig. Deshalb sei die Population hier auch gleichbleibend.

Eine geschützte Art

Während in Nordrhein-Westfalen, vor allem entlang der Rheinschiene, viele Krähen zu finden sind, sieht es in anderen Bundesländern ganz anders aus. Nicht umsonst handelt es sich bei der Saatkrähe um eine geschützte Art, die auch nicht bejagt werden darf.

14 Horste befinden sich mittlerweile in dem ausgelagerten Bereich unweit der Rheinbrücke, wobei einige zu den umgesiedelten hinzu gekommen sind. Doch Malzbender vermisst die Tiere. Nur einige wenige hätten sich bislang hier niedergelassen. Am Büdericher Marktplatz ist unterdessen Ruhe eingekehrt. Der ASG hat wieder Äste entfernt, damit die Krähen nicht erneut auf die Idee kommen, hier zu brüten.

Dass die schlauen Vögel sich, wie die CDU beklagt, auch an den Schulen blicken lassen, habe einen einfachen Grund: Die Schülerinnen und Schüler hinterließen hier einiges an Essbarem, was sich die Krähen holten. „Sie machen die Plätze sogar sauber“, sagt Malzbender.