Ein Paradies, nicht nur für Eichhörnchen

Hier lässt es sich gut leben: Roswitha und Rüdiger Hemme tun alles, damit es ihren Tieren gut geht.
Hier lässt es sich gut leben: Roswitha und Rüdiger Hemme tun alles, damit es ihren Tieren gut geht.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Rüdiger und Roswitha Hemme aus Büderich haben sich einen kleinen Heimzoo aufgebaut – mit Kaninchen, Meerschweinchen, Gänsen, Sittichen und Enten.

Wesel..  Roswitha Hemme steckt vorsichtig ihren Kopf durch die Eingangstür: „Die Begrüßung könnte recht stürmisch ausfallen.“ Kaum ist die Tür auf, kommen sie auch schon angelaufen: Arielle und Shila, schwanzwedelnd, freudig umherspringend und mit lautem Gebell. „Sie sind ein bisschen aufgeregt“, Roswitha Hemme mahnt ihre beiden Lieblinge zur Ruhe. Dabei scheinen sie nur sagen zu wollen: „Komm’ rein und guck’ dir alles an.“ Denn bei den Hemmes gibt es einiges zu sehen – der braune und der schwarze Labrador kündigen nur das tierische Zuhause an, das sich das Ehepaar Stück für Stück aufgebaut hat.

Rocco lacht mit

Im kleinen Wintergarten wartet schon Papagei Rocco. „Wenn der los legt, weiß ich nicht, ob nicht doch meine Tochter spricht“, erzählt Rüdiger Hemme und lacht. Zwischen leerstehenden Käfigen, in denen während der Sommerzeit nur das Tierfutter aufbewahrt wird, Holzregalen und viel Klimbim macht sich der grüne Papagei auch prompt bemerkbar. Denn wenn die Hemmes lachen, stimmt Rocco mit ein. Doch die eigentliche Attraktionen wartet im riesigen Garten hinter dem Haus. Auf gut 490 Quadratmetern beheimatet die kleine Familie einen ganzen Heimzoo. Kaum öffnet sich die Garagentür, fällt der Blick auf ein viereckiges Drahtgeflecht, das wie ein Röhrensystem durch den Garten führt und drei Gehege miteinander verbindet. Die vielen leeren Nussschalen verraten schon, wer hier wohnt: Eichhörnchen. Angefangen habe alles mit Streifenhörnchen, doch was Größeres sollte her. Nach zahlreichen Amtsgängen schafften sich die Hemmes ein Pärchen an, das sich schnell vermehrte.

Doch die kleinen Nager haben sich versteckt. Viel Zeit zum Suchen bleibt nicht, denn schon verlangen zwei gelbe Flaumknäuel am Boden Aufmerksamkeit. Laut quakend watscheln die junge Gänse über die Wiese: Hilde und Klara, gerade mal drei Wochen alt. Roswitha Hemme nimmt eines der Jungtiere auf den Arm. „Ja, meine Süßen“, murmelt die 49-Jährige, und das flauschige Etwas kuschelt sich an die Gänsemama.

„Ohne Tiere könnten wir nicht leben“, erklärt Rüdiger Hemme. Schon mit 15 Jahren fing seine Leidenschaft für Vögel an. „Und ich habe eben einen Mann mit vielen Tieren geheiratet“, ergänzt Roswitha Hemme. Die Kinderkrankenschwester muss schmunzeln. Sie selbst sei immer „eher der Hunde-Narr“ gewesen. „Die Tiere gehören einfach zum Leben dazu.“ Für den 57-jährigen Erwerbsunfähigen ist die Pflege und das ständige Bauen neuer Gehege und Ställe ein Stück weit Lebensaufgabe.

Der Traum vom eigenen Bauernhof

Einer müsse ja auch den Überblick behalten, sagt Rüdiger Hemme. Er deutet auf die vielen Holzbauten und Drahtgeflechte – auf die Landschildkröten, die es sich im Stroh gemütlich gemacht haben und sich kaum an Kaninchen Charlie stören, der an einer Karotte knabbert. Nebenan leben die Zwergkaninchen, ein Stück weiter die Meerschweinchen. Gegenüber bieten große Holzgehege genug Platz für die vielen, vielen Wellensittiche, unter die sich zwei rote Pennantsittiche gemischt haben.

Überall gibt es was – oder wen – zu entdecken: Graupapagei Carlo und Blauschimmer-Amazone Lore, die beiden Kampfgänse, die sich nur von Tochter Jana (18) berühren lassen oder die drei Kois, die erst kürzlich den neu angelegten Teich bezogen haben. Im noch kleinen Stall quaken die jungen Laufgänse vor sich hin. Doch schon bald soll dort, wo jetzt noch der modrige, stillgelegte Teich Platz hat, ein neues Areal für die Enten und Gänse entstehen.

Es gibt eben noch viel zu tun, weiß Rüdiger Hemme und blickt auf die buschigen Sträucher, die sich einen Weg durch den Garten bahnen, auf die vielen großen und kleinen Keramikfigürchen oder das noch ungenutzte Holz. „Das ist eben die Natur“ – die Tiere scheint es nicht zu stören. Gemütlich hocken sie in ihren Ställen, planschen im Wasser, fressen sich satt oder säubern in aller Ruhe ihr Fell.

Einige von ihnen, der Nachwuchs, werden bald verkauft; die Hemmes müssen ihre Kosten decken. Im Urlaub war die Familie schon lange nicht mehr. Jeder Cent geht an die Tiere, alle zwei Tage verbraucht der kleine Heimzoo gut sieben Kilo Futter. „Tiere brauchen Platz und müssen versorgt werden“, die Hemmes sehen es realistisch – ein Tierparadies um jeden Preis, das sei eben nicht möglich.

Aber die kleine Familie bekommt Hilfe von Nachbarn, Freunden und Bekannten. Im Gegenzug springt sie auch mal ein, wenn die Nachbarin zum Beispiel ihr Kaninchen loswerden muss – die Hemmes nehmen es auf.

Fürs erste haben Roswitha, Rüdiger und Jana Hemme ausgesorgt, Neuanschaffungen sind vorerst nicht geplant. Nur wenn sich der Traum vom eigenen Bauernhof endlich erfüllt - dann müssen auch noch Schafe her.