Ein offener Schlagabtausch

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Hünxe..  Der Saal in der Gaststätte Nuyken platzte aus allen Nähten – so viele interessierte Bürger wollten sich am Donnerstagabend die Podiumsdiskussion mit den vier Hünxer Bürgermeisterkandidaten nicht entgehen lassen. Nach spannenden zwei Stunden mit lebhaften Fragen und Antworten gab es viel Applaus für alle Kandidaten, aber auch für die Organisatoren (FDP, UWH, Wolfgang Schüring) und die launige sowie straffe Moderation von Dinslakens NRZ-Redaktionsleiter Ralf Kubbernuß.

„Sie haben eine große Wahlchance, denn noch nie gab es so viele Kandidaten für das Amt“, begrüßte Dr. Manfred Wüstemeyer (FDP). Dann stellten sich die Kandidaten kurz vor und beantworten zunächst zwei im Vorfeld gestellte Fragen. „Die Gemeinde Hünxe findet sich im HSK. Welche Ideen gibt es zur Einnahmesteigerung oder Ausgabeneinsparung?“ Michael Helmich (CDU) verwies auf höhere Gewerbesteuereinnahmen, keine weiteren Steuererhöhungen und interkommunale Zusammenarbeit. Ralf Lange (EBH) nannte ebenfalls Letzteres, eine andere Haltung zum Geldausgeben (auch im Gemeinderat), Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements. Dirk Buschmann (parteilos) sah wenig Spielraum durch die Landesvorgaben, mehr bürgerschaftliches Engagement stärke den ländlichen Raum. Werner Schulte (SPD) forderte wirtschaftliche Beteiligung an regenerativen Energien, konsequente Vermarktung aller verbliebenen Gewerbegebietsflächen, die Ausweisung von Baugebieten.

„Sehen Sie sich in der Lage, eine Verwaltung selbstständig ohne Beigeordnete zu führen? Gibt es Veränderungsbedarf?“ Helmich sah Nachsteuerungsbedarf: ein Beschwerdemanagement für Bürger und offensivere Öffentlichkeitsarbeit. Er habe Verwaltungserfahrung – auch ohne Beigeordnete. Lange betonte, er habe ein mittelständisches Unternehmen über 13 Jahre aufgebaut. Man brauche eine perfekte Organisation, er könne motivieren und fördern, brauche keine Beigeordnete. Buschmann sah eine gute Vernetzung von Mitarbeitern und Kommune, die Verwaltung als mobilen Dienstleister. Hürden mit der IT-Technologie gelte es abzubauen. Schulte sprach sich für eine Analyse der Arbeitsabläufe aus, er wolle die Mitarbeiter als Team mitnehmen; er könne moderieren, zuhören und motivieren, auch ohne Beigeordnete.

Nach einer kurzen Pause, in der auch die Besucher Fragen notieren konnten, gab es eine gemischte Fragerunde. Die Organisatoren hatten sich zwei „knifflige“ Fragen überlegt: „Durch eine Fehlrechnung weist der Haushalt ein Plus von 30 000 Euro aus. Sie müssen das Geld sofort ausgeben. Wofür?“ Lange: Die eine Hälfte für den Jugend- und Sportbereich, die andere für barrierefreie Wege. Buschmann: Alles in Schulen zur IT-Ausstattung. Schulte: Komplett in die vernachlässigten Spielplätze in Bruckhausen. Helmich: In die Kinderbetreuung von Alleinerziehenden und jungen Familien.

Entscheidung gefordert!

„Aufgrund einer Fehlplanung stehen drei Termine parallel an. Für welchen entscheiden Sie sich? – Grundsteinlegung einer Firma im Gewerbegebiet? – Ehrung verdienter Feuerwehrleute? – Eröffnung der Kinderferienspiele?“ Lange: Ich wähle die Grundsteinlegung, denn wir brauchen ansiedlungswillige Unternehmen. Der Feuerwehr spendiere ich Bier und Würstchen, den Kindern Limo und Kuchen. Buschmann: Die Grundsteinlegung delegiere ich an den Wirtschaftsförderer, die Kinderferienspiele weiß ich durch Anke Schott und ihr Team gut betreut. Ich gehe zur Feuerwehr, ein ehrenamtlicher Beitrag zum Brandschutz. Schulte: Ich lasse die Grundsteinlegung außen vor, die Kinderferienspiele sind jedes Jahr, die Ehrung der Wehrleute dagegen nicht, das Ehrenamt ist wichtig. Helmich: Ich rufe bei der Firma an, um den Termin zu verlegen oder sie soll eine Spende an die Feuerwehr und Kinder geben. Ich wähle die Ehrung. Zuruf von Heike Kohlhase (Grüne): „Liebe Kollegen, ihr habt drei stellvertretende Bürgermeisterinnen“

Junge Familien in Hünxe

Es gab Fragen etwa zum Thema Barrierefreiheit, zur Zukunft am Flugplatz Schwarze Heide (Lärmbelästigung), zur Errichtung eines Kreisverkehrs und zu seniorengerechtem Wohnen in Drevenack. Oder: „Wie wollen Sie dazu beitragen, dass Alt und Jung in Hünxe noch besser zusammen finden?“ Schulte sprach sich für umzubauende, generationenübergreifende Marktplätze aus. Helmich sah die Finanzlage und meinte, Generationen könnten sich überall begegnen, auch privat. Lange sagte, vieles werde schon getan, Verwaltung und Vereine müssten noch mehr zusammenarbeiten. Buschmann sprach von einer großen Herausforderung, er werde das kulturelle Leben mehr fördern.

„Wie kann Hünxe für junge Familien attraktiver werden?“ Helmich möchte mit Vereinen Anreize setzen und offensiv für Hünxe werben. Lange sieht die Gemeinde als attraktiven Erlebnisraum, die Spielplätze seien aufzurüsten. Buschmann möchte die Betreuungsangebote in Kitas ausweiten. Schulte sagte, die Infrastruktur sei in Ordnung, Bauland müsse günstiger werden.

„Wie kann Hünxe mehr aus sich machen?“ Laut Lange müsse das Dorfmarketing verbessert werden. Buschmann lobte die gute Verkehrsanbindung. Das Miteinander müsse gestärkt werden. Schulte forderte „ein anständiges Lokal zum Essen“, sein Motto: Miteinander möglich machen. Helmich appellierte an das Wir-Gefühl. Mit ihm gebe es einen Neujahrsempfang für alle.

Zum Schluss erklärte jeder Kandidat noch einmal in 30 Sekunden, warum er Bürgermeister werden möchte.