Ein Mann, ein Auto

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Schermbeck..  Wer sagt eigentlich, dass sich Männer vor dem Putzen drücken? Dennis Cluse gehört jedenfalls nicht zu dieser Spezies. Der 33-Jährige taucht nicht nur regelmäßig den Lappen in den Eimer, er hat auch noch Spaß dabei. Neulich hat er sich sogar eine eigene Nähmaschine gekauft, um damit hübsch geschwungene Ziernähte ins Leder zu zaubern. Allerdings putzt er in der Regel nicht die eigenen vier Wände heraus. Das geliebte Objekt, an dem Dennis Cluse in den letzten Tagen besonders eifrig gewienert und geackert hat, ist sein olivfarbener Opel Corsa, den er ab heute auf Europas renommiertestem Wettbewerb für veredelte Autos, dem European Tuning Showdown in Friedrichshafen am Bodensee zeigen darf.

Es gibt viele Menschen, die Zeit für ihr Hobby reservieren. Aber selten leben sie ihre Freizeit so intensiv wie der Schermbecker. Das macht folgende kleine Geschichte besonders deutlich – als seine Frau Alice vor einiger Zeit ihren Junggesellinnenabschied feierte, da ließen ihr die Freundinnen ein T-Shirt mit sehr treffender Aufschrift bedrucken: „Alice heiratet einen Corsa – und Dennis.“

Stimmt! Der Ehemann lächelt und nickt. Seit Dezember hat er 500 Arbeitsstunden in das Auto gesteckt. Natürlich neben seinem Vollzeitjob als Küchenleiter der Jugendherberge in Haltern am See. Dazu kommen ein gutes Dutzend Termine im Jahr, an denen er unterwegs ist. Zur Motorshow in Essen, zu diversen Messen oder wie aktuell zum Tuning-Wettbewerb am Bodensee. „Ich bin meiner Frau so dankbar, dass sie mir die freie Zeit schenkt“, sagt der 33-Jährige, der nicht nur Alice liebt, sondern eben auch das Schrauben am Corsa, den er sich vor 16 Jahren gekauft und seitdem schon x-mal in alle Einzelteile zerlegt hat. „Mir fällt kein Teil ein, das ich noch nicht in der Hand hatte.“ Der Wagen ist in ständigem Wandel und trägt deshalb den Namen Chamäleon.

Der Tacho ist versteckt

Dennis Cluse lässt die Hand über die olivgrüne Lackierung gleiten und denkt darüber nach, wie diese besondere Beziehung angefangen hat. „Ich hatte damals nach einem Hobby gesucht, das ich als Koch gut alleine machen kann.“ Denn wenn er montags und dienstags frei hatte, mussten seine Freunde arbeiten. Irgendwann fing er einfach an, sein Auto aufzuhübschen. „Als erstes habe ich eine Zentralverriegelung eingebaut.“ Damit hat er sich noch schwer getan. „Ich habe das mit den Kabeln irgendwie nicht hingekriegt.“ Heute baut er ruckzuck den kompletten Motor aus und ein. Und macht auch sonst bis auf die Lackierung alles selber.

„Das Getriebe habe ich erst vor zwei Wochen wieder zusammengeschraubt und vorher verchromt.“ Vor einer Woche wurden die neuen Lautsprecher im Kofferraum verbaut. Alles soll möglichst glatt und hochwertig sein. Die Schläuche im Motorraum sind mit selbst genähten Lederhüllen ummantelt. Türgriffe wurden gegen kaum sichtbare Mini-Schlaufen ersetzt. Selbst die Radbolzen sind mit kleinen Chamäleons verziert und den Tacho hat er in die Reserveradmulde verlegt, weil er ihn optisch störte. Wie schnell er fährt, das sieht Dennis Cluse seitdem über eine Kamera, die die Geschwindigkeit zu ihm nach vorne überträgt.

„Das ist ein reines Spaßauto.“ Aber eines, das er so professionell herausgeputzt hat, dass er zum European Tuning Showdown geladen wurde. „So eine Einladung ist ein Ritterschlag, denn es geht um DEN Wettbewerb in der Szene“, sagt er. Also: Daumen drücken, wenn der Schermbecker ab heute gegen die 64 Besten antritt.