Ein Künstler in der Provinz

Hamminkeln..  Dieser Mann ist ein Tausendsassa. Er beschäftigt sich nicht nur mit Kunst, sondern auch mit Worten und Zahlen. Schriften und Bücher sind im Hamminkelner Haus von Wil Frenken zuhauf zu finden, wenngleich sein künstlerisches Werk noch um einiges umfangreicher sein dürfte. Vieles davon ist an den Wänden zu sehen, das meiste schlummert jedoch in Mappen und Ordnern, in Schränken und in der Garage. Es sind Arbeiten aus einem langen Leben: Wil Frenken wird am Montag 80 Jahre alt.

Seit unserem Besuch vor fünf Jahren hat sich vieles geändert. Frenken produziert nichts Großformatiges mehr, er beschränkt sich auf DIN A 3. Sein Aktionsradius ist wegen der Erkrankung seiner Ehefrau (77) weitgehend auf sein Heim begrenzt, und auch die geliebten Spaziergänge zwischen Rheinkilometer 828 und 831 gehören damit leider mittlerweile der Vergangenheit an. Doch der Fundus, den das Paar vom Ufer des Stroms in den vergangenen Jahren mitgebracht hat, dürfte noch lange reichen. Steine über Steine, in allen Formen und Farben, Taue, ja Fundstücke, die sich irgendwie künstlerisch verarbeiten lassen, wurden taschenweise nach Hause getragen. Kein Wunder, dass im Hause Frenken sogar der Adventskranz aus Steinen besteht.

Eine Etage höher, im ersten kleinen Atelierraum des renommierten Künstlers, stoßen wir auf die Steinbilder. Wil Frenken hält ein graues Exemplar mit weißen Streifen in die Luft, einen der Rheinsteine, und zeigt das Pendant auf Papier. Das kann schwarz-weiß sein oder aber auch farbig.

Schrift und Zahlen faszinieren den Jubilar, seit Neuestem nutzt er die Blutdruckwerte seiner Frau künstlerisch. Dass er all dies quasi nur für sich und seinen engsten Umkreis macht, kümmert den Mann nicht, der schon bei der „documenta 6“ in Kassel sowie bei der „ART“ 1980 in New York mitwirkte, im Essener Folkwangmuseum ausstellte und dessen Werke etwa in der Wiener Albertina und im Städtischen Museum Wiesbaden zu finden sind. „Er muss arbeiten und produzieren, hat unendlich viele Ideen, im Grunde für die Schublade“, sagt Ehefrau Ingrid Frenken-Wolff, die bis zu ihrer Pensionierung Grundschullehrerin in Bislich war, mit einem leisen Bedauern.

Wil Frenken, der am 5. Januar seinen runden Geburtstag im Kreise seiner Familie verbringen wird, macht sich langsam Gedanken darüber, was mal mit seinem großen künstlerischen Nachlass passieren soll. Doch einen rechten Weg hat er noch nicht gefunden. Und so arbeitet er weiter, wie er es gern mag „in der wunderschönen Provinz“, wie er sagt. Hildegard von Bingen und Thomas Morus begleiten ihn genauso wie der Dichter Welimir Chlebnikow, dem er einst die Zeitschrift „Der Chlebnicist“ widmete.