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Ein Höhepunkt für Ginderich

15.01.2010 | 17:14 Uhr

Wesel. 42 Grad im Schatten, wolkenloser Himmel und das badewannenwarme Meer vor der Haustür. Diese traumhaften Bedingungen an Australiens Westküste ließen die „New I Voci Singers” für ihre dritte Deutschlandtournee hinter sich.

Eines der insgesamt elf Konzerte fand in der Gindericher Kirche St. Mariä Himmelfahrt statt. Dort boten sie dem zahlreich erschienenen Publikum einen 90-minütigen Auszug ihres breit gefächerten Repertoires. Dieses reichte von klassischen Darbietungen des Renaissance-Komponisten Orlando di Lasso über Irish Folk und Jazz bis hin zu modernen Stücken wie etwa „Tea for two” oder „Over the rainbow”.

Die kurze Pause überbrückte Franjo Terhart, Kulturbeauftragter der Stadt Neukirchen Vluyn und Initiator des Konzertes, mit Anekdoten zum Chor: „Sie haben sich so über den Schnee gefreut, dass wir zunächst eine ausgiebige Schlittenfahrt unternommen haben. Die anschließende Schneeballschlacht haben sie genossen wie Kinder.”

Der mit zahlreichen Auszeichnungen überhäufte Chor besteht überwiegend aus Studenten der Metropole Perth. Ihr Leiter John Christmass ist für zahlreiche weitere Chöre im gesamten Westen Australiens zuständig. Das enorme Arbeitspensum sieht man dem 85-jährigen nicht an. Einzig seine Frau hegt Bedenken: „Vor unserer ersten Deutschlandtournee 2004 hat sie gesagt, du bist zu alt. 2008 hat sie gesagt, du bist verrückt. Diesmal sagte sie: Du gehst nicht!”

Publikum klatschte mit

Zum Glück hörte er nicht auf seine Frau und so bot sich den begeistert mitgehenden Gästen ein unvergessenes Erlebnis. Den zweiten Teil eröffnete Tenor Robin Thatcher mit „Oh mistress mine”, einer brillanten Umsetzung des gleichnamigen Liebesgedichtes von William Shakespeare. Es folgten neben populären Titeln wie „Autum leaves”, „She was beautiful” oder dem Swing-Evergreen „On the summer side of the street” auch die Chorversion des berühmten „Radetzky Marsch”. Dieser erfreute das Publikum so sehr, das viele stehend mitklatschten. Was John Christmass dazu veranlasste, das Stück spontan zu wiederholen.

Die Spontanität des mit 17 Chormitgliedern angereisten Ensembles treibt mitunter seltsame Blüten, weiß Franjo Terhart: „Bei einer Besichtigung des Kölner Doms begannen sie plötzlich zu singen. In Windeseile füllte sich die Kathedrale.” John Christmass, der vor allem die gute Akustik der hiesigen Kirchen schätzt, erklärt den Unterschied zu seinem Heimatland: „Hier sind die Menschen kulturinteressierter, bei uns begeistern sie sich mehr für den Sport. Ein paar Handzettel reichen in Deutschland aus, ganze Kirchen zu füllen.” Immerhin: Beim jährlichen Silvesterkonzert in Perth singt der Chor vor 1850 Menschen.

Wie viel Herzblut dahinter steckt, zeigte sich spät am Abend im Pfarrheim. Mit Schnittchen und Getränken versorgt, sangen sie weiter bis ihr Chorleiter sie bremste. John Christmas hatte angesichts der noch ausstehenden Konzerte Sorge um die Stimmbänder seiner Zöglinge. Das Fazit des Abends kam von „Bürgermeister” Heinrich Henrichs: „Das war ein Höhepunkt für Ginderich.”

Erwin Kohl

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