Ein Gotteshaus mit Geschichte(n)

Der Willibrordi-Dom in Wesel.
Der Willibrordi-Dom in Wesel.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der DKV-Kunstführer für den Willibrordi-Dom ist in der sechsten überarbeiteten Auflage erschienen. Er enthält vieles, was sicher auch nicht alle Weselaner und Weseler wissen.

Wesel..  Schon von Weitem sieht man die Silhouette, egal, ob man vom Rhein oder aus einer anderen Richtung kommt. Der Willibrordi-Dom zeigt sich - zu Recht. Und so lautete bereits 1969 das Urteil einer Fachfrau: Willibrord „ ist der großartigste historische evangelische Kirchraum des Rheinlandes“. Trude Cornelius, damals im Amt des Landeskonservators, schrieb dies im Heft 113 „Rheinische Kunststätten“. Bis heute staunt so mancher Besucher der Weseler Stadtkirche am Großen Markt über das wieder aufgebaute Gotteshaus, von dem nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nur ein Torso übrig war.

Es begann mit einer Fachwerkkirche

In der Neuauflage des DKV-Kunstführers über den Dom (siehe Box) erfahren auch Ortskundige einiges, was sie noch nicht wissen. Wer ein bisschen Zeit mitbringt, kann sich mit der Geschichte des Bauwerks vertraut machen.

Bevor der Willibrordi-Dom gebaut wurde, gab es an derselben Stelle einige Vorgänger. 780 schon gehörte eine Fachwerkkirche zu einem Herrenhof. Es folgte eine Bruchsteinkirche, dann eine dreischiffige romanische Kirche und schließlich in zwei Bauabschnitten von 1424 bis 1480 und 1498 bis 1540 Willibrord. Nach dem 739 in Echternach verstorbenen Friesenmissionar wurde die Kirche schon früh benannt. Ende des 19. Jahrhunderts, von 1883 bis 1896, dann die Neugestaltung.

Nach dem Krieg, schon 1947, wurde der Willibrordi-Dombauverein gegründet, der nach und nach - auch mit Lotteriemitteln - dafür sorgte, dass die Kirche wieder aufgebaut und Stück für Stück ergänzt wurde. Anfang der 90er Jahre kam etwa das Brautportal hinzu, ein bisschen später der Chorreiter mit Glockenspiel. Quasi ganz neu sind die Wappenfelder im Brautportal und die so genannten Prinzipalstücke, Kanzel, Altartisch und Ambo, - drei hochmoderne Teile im historischen Gemäuer.

Otto von Münchhausen

Bis 1805 war die Kirche übrigens über Jahrhunderte der herausragende Begräbnisplatz der Stadt. Daran erinnern die Grabsteine an den Wänden. Etwa 50, bislang im Fußboden liegende Steine können angeschaut werden. Dabei wird in dem Kunstführer auf zwei Exemplare besonders hingewiesen. Zum einen auf das Münchhausen-Epitaph an der Nordwand. Es ist der Grabstein von Otto von Münchhausen, der bei Wesel starb und 1576 hier beerdigt wurde. Er wurde nur 26 Jahre alt. Außerdem ist im Chorumgang der Peregrinus­stein zu finden. Peregrinus bedeutet Flüchtling. Er erinnert an den Flüchtling Bertie, Sohn von Richard Bertie und Katharina, der Herzogin von Suffolk. Er wurde 1555 in Wesel geboren. Bei der Familie handelte es sich um englische Religionsflüchtlinge, die ihr Land unter Königin Maria (1553-1558), die Blutige (Bloody Mary), verließen. Viele Protestanten wurden damals in England hingerichtet. 1554 bis 1557 waren einige Glaubensflüchtlinge in Wesel. Die Berties wohnten damals in der Niederstraße nahe des Doms.