Ein Glücksfall für Wesel

Freitagvormittag im Kasino der Schill-Kaserne.
Freitagvormittag im Kasino der Schill-Kaserne.
Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Servi
Tradition hat mittlerweile schon der Neujahrsempfang im Kasino der Schill-Kaserne. Diesmal stand er unter dem Zeichen der Terroranschläge in Paris.

Wesel..  Die Flagge der Schill-Kaserne weht auf Halbmast, als die vielen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Vereinen zum traditionellen Neujahrsempfang ins Kasino an der Bocholter Straße kommen. Auch bei den Soldaten ist der grauenhafte Terroranschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ das Thema. Der Standortälteste Deutsche Offizier, Major Sven Vieira Martins, bittet gleich zu Beginn seiner Rede um eine Gedenkminute für die Opfer - auch mit Blick auf die französischen Kameraden des hier stationierten 1st Nato Signal Batallions.

200 Tage im Jahr fern der Heimat

Sein Blick zurück befasste sich mit dem deutschen Anteil des Bataillons, dessen Hauptauftrag es ist, die Auslandseinsätze sicherzustellen. Mit dem Ende des ISAF-Einsatzes im Süden Afghanistans, in Kandahar, ging es nun nach Kabul, wo die Soldaten nicht nur mit einem neuen Umfeld, sondern auch mit neuen Aufgaben klarkommen müssen. Auch in der Türkei tun Soldaten aus Wesel Dienst. Sie alle seien 200 Tage im Jahr fern der Heimat, so Vieira Martins, während einige Fotos der Einsätze zu sehen waren. Zum Glück kehrten im vergangenen Jahr alle gesund zurück, was hoffentlich auch 2015 der Fall sein werde.

Major Vieira Martins verwies zudem auf die Fortschritte bei der Sanierung der Schill-Kaserne sowie bei den Neubauten auf dem Gelände, etwa der Sporthalle. Außerdem freue er sich schon auf die unterschiedlichen partnerschaftlichen Aktivitäten mit der Stadt Wesel und den Vereinen. Beispielhaft nannte er den Schützenverein Blumenkamp. Vom Gästeschießen, dem Schützenfest und dem Kasernensturm der Karnevalisten habe ihm sein Vorgänger, Oberstleutnant Marcus Uhlemann, schon vorgeschwärmt.

Erfreut nahm Bürgermeisterin Ulrike Westkamp die Investitionen auf dem Gelände der Schill-Kaserne zur Kenntnis. Das neue IT-Ausbildungszentrum sowie die Renovierungs- und Baumaßnahmen wertete sie als Indiz dafür, dass der Standort für die nächsten vielen Jahre wohl gesichert sei. Für Beständigkeit und Verlässlichkeit stünden zudem Termine wie der Volkstrauertag, bei dem die Soldaten ebenso dabei sind, wie zuletzt beim Besuch des einstigen Weselers Ernest Kolman aus London, der auf dem Friedhof an die jüdischen Opfer des Ersten Weltkrieges erinnerte.

Ein Schal aus Afghanistan

Die Kaserne sei ein Glücksfall für Wesel und die Region. Daran, dass sich die Wirtschaft hier gut entwickele, habe auch die Schill-Kaserne ihren Anteil. Dass sie in der Bevölkerung verankert sei, zeige die Tatsache, dass immer etwas los sei, wenn die Kaserne einlade - wie demnächst beim Tag der offenen Tür.

Oberstleutnant Dirk Hunke, Kommandeur des deutschen Teils des 1st Nato Signal Batallions, verwies - abgesehen von Krieg und Konflikten in Afghanistan - auf die ungeheure Schönheit des Landes, die ihn immer wieder fasziniere, und in dem er am liebsten mit dem Rucksack auf Wanderschaft gehen würde. Welch handwerkliche Kunst am Hindukusch etwa ausgeübt wird, vermittelte ein roter Schal, den er von dort für die Bürgermeisterin mitgebracht hat. Sie werde ihn der städtischen Textilsammlung zukommen lassen - und zu ganz besonderen Anlässen vielleicht auch einmal ausleihen, so Westkamp.