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Bahnhof Wesel

Ein Gefühl der Sicherheit

09.01.2016 | 06:00 Uhr
Ein Gefühl der Sicherheit
Wolfgang Schleicher, Marcel Schmidt, Christoph Kerskes und Frank Scholten aus Wesel (von links) sorgen für Sicherheit am Bahnhof.Foto: Markus Joosten

Wesel.   Seit fast zehn Jahren gibt es die Ordnungspartnerschaft von Stadt, Bahn und Jobcenter. Langzeitarbeitslose sind von 7 bis 21 Uhr am Bahnhof unterwegs.

Morgens um sieben ist die Welt nicht immer in Ordnung. Dann treten die Männer in den gelben Jacken ihren Dienst am Weseler Bahnhof an, und finden dabei manches Mal Unschönes vor. Zerschlagene Flaschen, beschmierte Wände und anderes mehr. Dafür sind sie zwar eigentlich nicht zuständig, die Scherben beseitigen sie trotzdem, damit sich niemand verletzt. Und die Schmierereien melden sie der zuständigen Stelle. Seit die Videoüberwachung da ist, hat sich einiges zum Positiven verändert. Doch zu tun gibt es für das momentan nur neunköpfige Team viel.

Besorgter Vater

Frank Scholten (34) ist einer von denen, der den Menschen am Bahnhof allein durch seine Anwesenheit ein gewisses Sicherheitsgefühl vermittelt. Und auch Christoph Kerskes (31) gehört dazu. Viele kennen die Männer schon, weil sie regelmäßig pendeln, und sind die Ordnungskräfte mal nicht da, werden sie sofort vermisst. So wie von den Eltern dreier Töchter, die regelmäßig von Wesel mit der Bahn zum Berufskolleg nach Dinslaken fahren. Der besorgte Vater rief bei der NRZ an und fragte, ob die so genannte Ordnungspartnerschaft zwischen der Stadt Wesel und der Bahn überhaupt noch existiert.

Zahlen und mehr
Fakten

Langzeitarbeitslose haben durch die Teilnahme an dem Projekt Ordnungspartnerschaft am Bahnhof die Möglichkeit, den Grundstein für eine berufliche Qualifikation in den Bereichen der Sicherheitsbranche zu legen. Die Ordnungskräfte werden der Stadt über das Jobcenter Kreis Wesel vermittelt.

Seit 2006 waren nach Angeben des zuständigen Dezernenten Daniel Kunstleben 192 Kräfte am Bahnhof eingesetzt, darunter acht Frauen. Die Mitarbeiter haben bei Bedarf immer die Möglichkeit, einen städtischen Kollegen zu erreichen. Denn es ist ständig eine Rufbereitschaft eingerichtet.

Ja, es gibt sie auch weiterhin, wenngleich manchmal eine Schicht ausfallen muss, zum Beispiel wenn einer der Männer krank wird und auf die Schnelle nicht zu ersetzen ist. Dann fällt es sofort auf, dass plötzlich niemand da ist, der im Notfall Hilfe leisten könnte. Oder wie jetzt über die Feiertage. Auch da suchte man die Herren in Gelb vergeblich. Norbert Weingart, der bei der Stadt für das Team am Bahnhof zuständig ist, hofft, dass der personelle Engpass bald behoben ist, und wieder 14 statt zurzeit neun öffentliche Arbeitsgelegenheiten besetzt sind.

Kontrollgänge

Fachbereichsleiter Hans Zache ist sich sicher, dass die Präsens der Kräfte Sicherheit vermittelt. Das spüren die Männer beispielsweise vor allem dann, wenn der Schalter der Bahn um 17.30 Uhr schließt und es immer leerer im Bahnhof wird. Im Zeitungskiosk ist man froh, dass dann wenigstens mindestens zwei starke Männer in der Nähe sind, wenngleich ihr Handeln Grenzen hat. Sie dürfen Platzverweise erteilen und ermahnen, sie machen Kontrollgänge und Schadensmeldungen, und sie sind gern behilflich. Zum Beispiel, wenn ältere Menschen nicht mit dem Fahrkartenautomaten zurecht kommen oder der Aufzug nicht funktioniert und Gepäck zu transportieren ist.

Erst kürzlich ist eine muslimische Frau schwer auf eine der Treppen am Bahnhof gestürzt. Die Helfer riefen den Rettungswagen. Doch der Mann wollte partout nicht, dass sie Frau damit abtransportiert wird. „Er hat sie wegtragen wollen, obwohl sie bewusstlos war“, sagt Marcel Schmidt (36) immer noch entsetzt. Die Frau sollte nicht mit drei fremden Männern im Wagen ins Krankenhaus transportiert werden. Am Ende fügte sich der Ehemann dann aber doch.

400 Rollstuhlfahrer

Solche und viele andere Erlebnisse prägen die Einsätze der Zweier- oder Dreierteams. Wolfgang Schleicher (48) gehört zu den Dienstältesten am Bahnhof und erinnert sich immer wieder gern an einen Zug, der aus Lourdes in Wesel eintraf. Etwa 400 Rollstuhlfahrer hätten sich vom Bahnhof aus zum Willibrordi-Dom aufgemacht, sagt er. „Das war richtig schön.“

Fußgängertunnel

Das Einsatzgebiet im Rahmen der Ordnungspartnerschaft, die seit fast zehn Jahren besteht, umfasst den Bahnhof samt Busbahnhof, die Parkplätze und Fußgängertunnel. Dort gehen die Männer, zum Teil auch Frauen, auf Streife und werden beispielsweise aktiv, wenn sich jemand unrechtmäßig mit seinem Wagen auf einen für Behinderte reservierten Parkplatz stellt. Zu den Hauptaufgaben gehört zudem, dass die Einhaltung der Hausordnung überwacht wird, Schäden und Störungen gemeldet und Kunden rund um den Bahnhof unterstützt werden. Da bringt Ortsunkundigen auch schonmal der Hinweis auf die Toilette bei der Caritas Erleichterung.

Von 7 bis 21 Uhr

130 Stunden im Monat dürfen die Ordnungskräfte maximal im Einsatz ein, wobei generell das Motto „Learning by doing“ gilt. Ein Neuling wird zunächst immer mit einem Erfahrenen unterwegs sein. Das Ganze läuft in zwei Schichten, von 7 bis 14 und 14 bis 21 Uhr – außer an den Wochenenden.

Petra Herzog

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2016-01-09 06:00
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