Ein Fest zum Genießen

Schermbeck..  „Ostern ist schön, das Wetter wird besser“ sagt Michael Loewenau optimistisch. Die Bewohner des Hauses Kilian freuen sich auf die Feiertage; Sie bedeuteten „die Auferstehung Jesu“, ergänzt Loewenau. Wie wird in einem Wohnheim mit geistig behinderten Menschen Ostern gefeiert? Loewenau, der seit bald 20 Jahren in dem Haus an der Erler Straße lebt, dessen Leiterin Birgit Förster und ihre Stellvertreterin Nicole Schulte-Kellinghaus erzählen es.

„Ostern ist gelassener“, zieht Förster einen Vergleich zur rummeligen Weihnachtszeit. Schulte-Kellinghaus stimmt zu und ergänzt, die Osterfeiertage seien zudem kompakter als der längere Advent. Diese entspanntere Atmosphäre macht sich auch im Haus bemerkbar. Ein Beispiel: „Der kleine Schoko-Hase reicht, es muss nicht das große Osternest sein“, meint Förster etwa zum Thema Geschenke.

Ausgedehnter Osterspaziergang

Aber das Team und die meisten Bewohner erleben die Fasten- und Osterzeit sehr bewusst. Die Fastenzeit begann in diesem Jahr besonders. Den vor zwei Jahren von den Bewohnern gestalteten und in der Ludgeruskirche gezeigten Kreuzweg lieh sich die Liebfrauen-Schule in Coesfeld aus; dort werden Heilerziehungspfleger ausgebildet. Weihbischof Gerlings feierte dort mit den Bewohnern kurz nach Aschermittwoch einen Gottesdienst. Diese stellten den Schülern zuvor die Stationen des Kreuzwegs vor. „Das war ein festlicher Auftakt“, sagen die Leiterinnen. Zumal für Michael Loewenau, der an kirchlichen Dingen „sehr interessiert“ sei. Da es im Haus auch evangelische Bewohner gibt, pflegt das Haus Kontakte zu beiden Schermbecker Kirchengemeinden.

Worauf wollen wir in der Fastenzeit verzichten? Diese Frage galt es, gemeinsam zu beantworten. Süßigkeiten und Fernsehen seien oft die Antwort, meint Förster. Auch wenn diese und andere Vorsätze wie bei vielen anderen Menschen schnell etwas in Vergessenheit gerieten, ergänzt sie lächelnd.

„Die Festtage geben vielen Bewohnern Struktur und Orientierung“, meint die Leiterin. Das Haus Kilian pflegt auch zu Ostern seine Rituale. Zum Palmsonntag werden Palmsträuße gebastelt, die Prozession besucht und zuvor mit den Firmlingen Bilder gemalt. Unter die Rubrik Rituale fällt auch das österliche Dekorieren des Gartens. Am Gründonnerstag sei das Agapemahl in St. Ludgerus ein wichtiger Punkt, und der Karfreitag ein Tag der Ruhe. „Die Bewohner können den Tag für sich genießen, Freizeit haben“, meint Förster. Denn bis auf zwei Rentner, die inzwischen in Haus Kilian leben, arbeiten die anderen Bewohner alle, manche in Teilzeit.

Änderungen gibt es: Der frühere Eltern-Angehörigen-Brunch ist inzwischen einem Kaffeetrinken am Ostersamstag gewichen. Das sei für einige Bewohner eine große Umstellung, ergänzt Schulte-Kellinghaus. An den Feiertagen mache sich das Alter der Bewohner und ihrer Eltern erneut bemerkbar, sagen die Leiterinnen. Gingen früher die meisten der 21 Bewohner in dieser Zeit nach Hause, ist es heute nur noch ein Drittel. Die Eltern sind nicht mehr da oder sie seien zu alt, um das zu schaffen. Stattdessen kommen Angehörige zu Besuch, gestalten die Zeit mit ihren Kindern individuell.

Osterfeuer bei den Pfadfindern

Die Gemeinschaft im Haus ist wichtig, zum Beispiel beim ausgedehnten Osterspaziergang, wenn das Wetter mitspielt. Am Sonntag nach dem freiwilligen Kirchgang gibt es ein Festtagsessen, das vorher gemeinsam ausgesucht wurde. Diesmal kommen Rouladen auf den Tisch. Am Abend hat Michael Loewenau einen festen Termin: Dann geht’s zum „Osterfeuer bei den Pfadfindern“, freut er sich.

Zwischen 22 und 64 Jahre sind die 21 Bewohner im Haus Kilian alt; freie Plätze gibt es derzeit keine. Vor wenigen Jahren wurden drei jüngere Bewohner aufgenommen.

Bewohner und Team bereiten sich schon jetzt auf die Feiern zum 20-jährigen Bestehen des Hauses vor, denn 1995 zogen die ersten Bewohner in das ehemalige Schwesternheim ein. Was genau zum runden Geburtstag passieren soll, ist aber noch offen.