Ein Besuch ohne Besucher

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Schermbeck..  Das habe er „noch nie gehabt“, sagte Hans Zelle am Samstagnachmittag im Schermbecker Heimatmuseum. Zum ersten Mal waren bei einer der regelmäßigen Führungen durch das Museum und über den historischen Rundweg keine Gäste erschienen. Aber ein Gang durch das historische Gebäude von 1566, damit das älteste in Schermbeck erhaltene Wohnhaus, war mit seinen kundigen Erläuterungen wieder ein Gewinn.

Was machen die Kerben im Balken?

„Die wesentliche Substanz ist erhalten geblieben“, erklärte er den Zustand des heutigen Museums am Kriegsende vor 70 Jahren. Brandbomben der Briten und Amerikaner legten den Ortskern im Frühjahr 1945 in Schutt und Asche, auch die nahe liegende St. Georgskirche brannte aus. Die „gute Holzstruktur“ ermutigte die Gemeinde in den 1980er-Jahren zum Kauf des ehemaligen Ackerbürger- oder Handwerkerhauses. Im Obergeschoss sind die Feuerspuren des Krieges noch zu sehen. Seit 1987 dient das Haus als Museum.

Unzählige Exponate füllen die Vitrinen, hängen an den Wänden oder stehen als Zeugen der Ortsgeschichte auf dem Boden des Hauses. Bei dem aufwendigen Umbau wurde auch ein gepflasterter Weg freigelegt, der auf der östlichen Seite unter dem Gebäude verborgen war. „Wir wissen es nicht“, antwortete der 84-Jährige auf die Frage nach dem Zweck dieses Weges.

Dafür wusste der Mitgründer des Heimatvereins, kürzlich bei einer Ehrung als treibende Kraft des Heimatmuseums gewürdigt (NRZ berichtete), sehr, sehr viel aus der Schermbecker Geschichte.

Die ließ sich beim Museumsrundgang nur streifen; die historischen Ursprünge, die Jahrhunderte lange Trennung Schermbecks und Altschermbecks durch die Bistumsgrenze, da es kommunale Grenzen nicht gab, sowie die Bedeutung des Tonabbaus und die der Ziegelindustrie waren wichtige Stationen.

Kleines Detail am Rande: Unzählige Kerben sind auf einem der tragenden Holzbalken im Museum zu sehen. Zelle erklärte den Grund: Diese sollten dafür sorgen, dass der Putz auf der Wand aus Holzfachwerk, Lehm und Stroh besser hielt.

Rundgang hat 21 Stationen

Noch bis zum 30. August ist die aktuelle Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen der St. Ludgeruskirche im Museum zu sehen. Wichtige Arbeiten, wie der Bau der Modelle der sechs Vorgängerkirchen, erfolgten bereits zur 1200-Jahrfeier Schermbecks im Jahr 1999. „799 war Schermbeck schon da“, erklärte Zelle. Denn die beiden in einer Urkunde erwähnten Höfe müsse es vorher schon gegeben haben, der Ort sei also noch älter.

Immer wieder beeindruckend ist auch das Modell des Schermbecker Bahnhofs im Obergeschoss des Museums; von den umfangreichen Gleisanlagen samt Nebenanschlüssen, etwa zu den Ziegeleien, ist heute fast nichts mehr zu sehen.

Dafür existieren auf dem historischen Rundwanderweg umso mehr steinerne Zeugen. Einer der prominentesten ist sicher die Burg, die um 1300 erbaut wurde und die seit 1662 im Privatbesitz ist.

21 Stationen umfasst der Rundweg, und versierte Kenner der hiesigen Geschichte wie Hans Zelle können zu jeder Station einen eigenen Fachvortrag halten.

Schon die Geschichte der Schermbecker Kirchen ist ein Thema für sich; die der St. Georgskirche füllt ein dickes Buch. Wobei die Dorfkirche in Gahlen für sich beanspruchen kann, die älteste zu sein. Der Westturm des spätgotischen Baus stammt aus dem 12. Jahrhundert, und dieser gilt somit als ältestes Bauwerk auf Schermbecker Gebiet.