Dingden ist einfach märchenhaft

„Die Säcke“ nannte sich die Gruppe, die beim Rosenmontagszug in Dingden den DFB grüßte und zum vierten gleich noch einen fünften WM-Stern hinzufügte.
„Die Säcke“ nannte sich die Gruppe, die beim Rosenmontagszug in Dingden den DFB grüßte und zum vierten gleich noch einen fünften WM-Stern hinzufügte.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Finale einer fröhlichen Session geriet bei zauberhaftem Rosenmontagswetter zu einer eindrucksvollen Darstellung dörflichen Engagements.

Hamminkeln..  Kurz bevor es los ging, eilte der Herr Pfarrer - diesmal eher ungewohnt im Poncho und mit Sombrero - herbei, um auf den Zug aufzuspringen. Der war wieder klein aber fein und so handgemacht und familiär wie stets in Dingden, wo der Kreisverkehr im Ortskern auch dieses Mal die von etlichen bunten Närrinnen und Narren gesäumte Bühne für die Zugteilnehmer bildete. 3500 lautete die Zuschauer-Zahl der Polizei.

Die Veranstalter des Karnevalsclubs warteten mit imponierenden Zahlen auf: 37 Wagen und Gruppen sowie 555 Karnevalisten im 999 Meter langen Zug - Polizei, Ordner und DRK inklusive. Fünf Tanzgarden des KC Dingden, aus Brünen und Bocholt, der Spielmannszug Dingden-Lankern, die Musikband „Red Lions“, Hand- und Bollerwagen-Gruppen waren ebenso mit dabei wie natürlich die Majestäten: Heiko I. und Bettina I. sowie das Kinderprinzenpaar Marie I. und Nico I. aus Dingden und Brünens Prinzessin Ruth I.

Qualität zählte

Aber es ging weniger um die Quantität, die teils schon ausgeprägter war. Vielmehr zählte das Engagement, der Eifer, mit dem die Tanzgarden und Musikgruppen dabei waren, und der Einsatz derjenigen, die mit ihren Motivwagen und als Fußgruppen für Qualität sorgten.

Von den „Humpen Pumpen“ erwartet man das fast schon. Und sie ragten auch diesmal heraus - wortwörtlich: Die lange, schmale Hexe auf ihrem märchenhaften Wagen bildete klar den höchsten Punkt des Zuges. Dahinter stellte sich der Dingdener Märchenwald so dar, wie man ihn gerne sähe: Mit Dornröschen, Wolf und Froschkönig. Bezüge zur aktuellen Hamminkelner Politik fehlten nicht: „Ach wie gut, dass niemand weiß, wie der neue Bürgermeister heißt“, wurde da „gerumpelstilzt“. Und dazu ein frommer Wunsch: „Grundsteuer A und B wurden neu erhoben - hoffentlich ist das wie im Märchen auch gelogen“.

Hamminkelner Bier in China

Der Wagen des Elferrates knüpfte da mit dem Titel „Wintermärchen“ quasi an. Die „Prinzessinnen a.D.“ hatten sich dazu orientalisch gewandet. Wiederum nicht weit davon entfernt waren „die Säcke“, die das Fußball-Sommermärchen der Nationalelf gar um einen fünften Stern für 2018 fortschrieben.

Das Reich der Mitte dringt weltweit immer weiter vor - bis hin zum Motivwagen in Dingden. „Wir tragen keine Eulen nach Athen, sondern unseren Braumeister nach China“, texteten die schlitzäugigen HVV’ler und verknüpften geschickt große Politik mit lokalem Geschehen, nämlich der Platzierung der Biermarke „GER’D“ auf dem asiatischen Markt. Unter den Kronenkorken, die einige von ihnen zum Bierflaschen-Kostüm auf dem Kopf trugen, schäumte der Gerstensaft hervor.

Trotzige Jungschützen

Richtig in Schwingung geriet der Wagen der „Stockschmücker“ von den Jungschützen unter dem Motto „Dingden rockt“. Trotzig verkündeten sie, dass sie sich die Laune nicht verderben ließen: „Das Oktoberfest konntet ihr vertreiben, aber das Schützenfest wird ein Leben lang auf seinem Platz bleiben.“

Zurück in die 50-er Jahre - mit Petticoat und Elvis-Tolle - entführte die Brüner „Rockabilly“-Gruppe. Beim Karnevalswettbewerb hatte sie die Zug-Teilnahme gewonnen.