„Digitales Gesicht zeigen“

Von den verkaufsoffenen Sonntagen profitiert der stationäre Handel in der Fußgängerzone.
Von den verkaufsoffenen Sonntagen profitiert der stationäre Handel in der Fußgängerzone.
Foto: Funke Foto Services
Die Werbegemeinschaft lud zu einer Veranstaltung ins Weseler Rathaus. Ein Experte empfiehlt auf rasante Entwicklung des Online-Handels zu reagieren.

Wesel..  Um nichts weniger als um die Zukunft des Einzelhandels vor dem Hintergrund eines expandierenden Online-Shoppings, ging es jetzt im Weseler Rathaus. Da war es schon ein wenig enttäuschend, dass im Sitzungssaal viele Plätze freiblieben.

Die Veranstaltung, zu der die Werbegemeinschaft Wesel gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung der Stadt sowie Wesel-Marketing eingeladen hatten, bildete den Abschluss einer Seminarreihe, die im Januar noch mit einer großen Resonanz begonnen hatte. Klaus-Peter Roelvinck, der moderierend den Abend begleitete, stellte gleich zu Beginn klar, dass dies Abschlussveranstaltung kein endgültiger Schlussstrich sein darf: „Das Thema wird uns natürlich weiter beschäftigen“. Auch Bürgermeisterin Ulrike Westkamp stellte in ihrem Grußwort klar, dass man am Ball bleiben muss: „Es gibt Fortschritte bei uns in Wesel, nicht zuletzt durch die neue Fußgängerzone, doch wir dürfen uns nicht ausruhen“.

Als Hauptreferenten des Abends hatten die Organisatoren den Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW Rainer Gallus gewinnen können. Auch er machte die enorme Dynamik des Online-Handels deutlich. Bald werde jeder fünfte Euro online umgesetzt, so der Experte, der noch ergänzte, dass durch eine vermehrte Smartphone-Nutzung diese Entwicklung noch verstärkt werde. Trotz dieser Entwicklung hätten jedoch Studien ergeben, dass immer noch die meisten Menschen zum Einkaufen in die Stadt kämen, erst an zweiter Stelle stünden Erlebnisse wie Kultur und Gastronomie.

Fachmarktcenter verlieren

Dennoch verlieren vor allem Großstädte und Fachmarktcenter an Besuchern. Als Trost für die anwesenden Weseler Einzelhändler hatte Rainer Gallus die Feststellung parat, dass viele trotz dieser Entwicklungen nach wie vor gern in ihrer Heimatstadt einkaufen und das Internet immer noch als „Schaufenster“ nutzen. Aber natürlich müsse auf die rasante Entwicklung des Online-Handels reagiert werden, so Gallus: „Wir müssen die Kunden im Internet abholen“. Möglichkeiten hierzu wären beispielsweise lokale Plattformen. Als Beispiel zeigte er ein Video über ein Projekt in Wuppertal, wo sich Gewerbetreibende zusammengeschlossen haben und sogar einen Lieferservice anbieten. „Die Stadt muss neben altbekannten Faktoren wie Sauberkeit, Freundlichkeit oder Sicherheit auch ein digitales Gesicht zeigen“, fasste Rainer Gallus zusammen.

Nach ihm warf der stellvertretende Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Wesel, Nicolas Kotzke einen Blick zurück auf die Seminarreihe. Themen wie Homepage-Erstellung, Online-Shops oder auch „Social Media“ (Facebook) seien behandelt worden. Nicht zuletzt hätten in den Vorträgen auch Dinge außerhalb des Online-Shoppings eine Rolle gespielt. „Einkauf muss auch immer Erlebnis sein“, so Nicolas Kotzke.

Das Schlusswort gehörte dann dem Geschäftsführer von Wesel-Marketing, Thomas Brocker. Er stellte die beiden Projekte „Zeitfenster Wesel“ und „Online-Schaufenster Wesel“ vor. Dabei handelt es sich um Vorhaben, die beim Landeswettbewerb „Ab in die Mitte! Die Cityoffensive NRW“ eingereicht wurden. Beim ersten Vorschlag werden auf sehr anschauliche Weise Zeitreisen auf Handy oder Smart-Phone ermöglicht. Auch beim zweiten Weseler Beitrag geht es digital zu.

Unter der Überschrift „Online-Schaufenster“ soll Weseler Firmen Gelegenheit gegeben werden sich zu präsentieren. „Wir wollen allerdings kein Online-Shopping“, erläutert Thomas Brocker, „den Unternehmen wird vielmehr Gelegenheit gegeben, sich zu präsentieren. Das kann vieles sein, von Öffnungszeiten bis hin zur Produktpalette“.

Finanzielle Förderung möglich

Ob aber beide Projekte das Wohlwollen der Juroren im Landeswettbewerb erringen werden und damit auch eine finanzielle Förderung erfolgen wird, kann man allerdings erst Ende September erfahren. Dann stehen die Sieger fest. Bis dahin heißt es also Daumen drücken für zwei gute Ideen.