Diese Liebe verzeiht jede Macke

Siegfried Benecke hegt und pflegt seine „Rennpappe“.
Siegfried Benecke hegt und pflegt seine „Rennpappe“.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Oldtimer-Besitzer lassen sich einiges einfallen, um ihre Schätze am Laufen zu halten

Wesel..  Bereits zum siebten Mal luden Björn und Norbert Kirsch am Ostersonntag Oldtimerfreunde an die Weseler Rheinpromenade. Mehr als 100 chromblitzende und liebevoll restaurierte Fahrzeuge vom VW Käfer bis zum Ford Taunus 17 M, der so genannten Badewanne, stellten sich auf dem Parkplatz des Welcome-Hotels den interessierten Blicken der Besucher. „Wir haben extra die Werbung flach gehalten, sonst wären nicht genügend Parkplätze vorhanden gewesen“, erklärt Organisator Norbert Kirch.

Späte Innovation

Dass längst nicht alles aus Blech ist, was glänzt, zeigt sich am Trabant 601S von Siegfried Benecke. Dessen Karosserie besteht aus baumwollverstärktem Phenoplast, was dem DDR-Volkswagen den Beinamen „Rennpappe“ einbrachte. Das „S“ am Heck steht übrigens für „Sonderzubehör“ wie etwa die seltsame „Tankuhr“. Um an die zu gelangen, muss Benecke die Motorhaube aufmachen und den darin verstauten Peilstab in den Tank halten.

Um einen „Trabbi“ fahrbereit zu halten, braucht es nicht viel. Das jedenfalls verspricht ein Aufkleber auf der Heckscheibe: „Hast du Hammer, Zange Draht – kommst du bis nach Leningrad“. Dahin dürfte es den Erstbesitzer nicht gezogen haben, denn der Pechvogel bekam seinen Trabant nach jahrelanger Wartezeit wenige Wochen vor der Maueröffnung überreicht. Pech hatte aber auch der Hersteller VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau, der mit der innovativen Idee, dem Trabi die Fahrgastzelle zu nehmen und das zusammengeklebte Vorder- und Hinterteil als Anhänger zu verkaufen, ebenfalls zu spät kam. So blieb es bei einem einzigen Exemplar, das Odo Zimmermann als geräumigen „Trödelanhänger“ nutzt.

Oldtimerfreunde kennen gerne die Lebensgeschichte ihres Gefährts. Das ist ein Grund, weshalb sich Werner Reuter seinen Morris Minor aus dem Jahr 1956 persönlich vom Vorbesitzer abholte. „Von ihm habe ich erfahren, dass der Wagen einmal generalüberholt wurde und rund 500 000 Kilometer auf dem Blech hat. Das ist normal, der Morris war so etwas wie der englische Käfer, wurde hauptsächlich von Bergleuten gefahren“, erklärt Reuter. Weil der Rechtslenker aus allen Ecken Öl verliert, hat sein Besitzer aus Uedemerbruch eine Auffangwanne eingebaut. Die Mängel nimmt der Morris-Fan mit Humor: „Wenn ein Engländer nicht mehr tropft, ist nichts mehr drin.“ Die nötigen technischen Fähigkeiten hat sich der Medizintechniker selbst angeeignet und was die Ersatzteilbeschaffung betrifft, ist Kreativität gefragt. „Der Kühlerschlauch stammt zum Beispiel aus der Klimaanlage eines Mähdreschers“, so Reuter.

Neben den Liebhabern alter Autos waren auch Zweiradfreunde an den Rhein getuckert. Einer von ihnen ist Paul Cuppenbinder, dessen Motorrad der Marke „Miele“ eigentlich längst von der Oberfläche verschwunden war. „Das haben Taucher vor einigen Jahren im Baldeneysee gefunden“, erzählt der 76-jährige. Bei der Restaurierung durfte der Weseler auf die Hilfe der motorradbegeisterten Familie hoffen. Wenn die Cuppenbinder nun auf ihren zehn Motorrädern zum Ausflug starten, knattert der Senior mit einer Höchstgeschwindigkeit von 58 km/h hinterher. Ein Oldtimerfreund hat es nicht eilig.